Sitten und Gebräuche

Da wir schon nach dem Essen gefragt wurden, wird es Zeit für einen kurzen Überblick der einheimischen Eigenarten.

Zuerst das Essen: man isst hier gerne Thali, das ist wie ein Mini-Buffet, besteht aus verschiedenen Gemüsesorten, gerne auch scharf, und Soße, Reis und einheimischen Brot. Wer mag, kann auch die Variante mit Fleisch bekommen, wir ernähren uns allerdings seit 10 Tagen vegetarisch.

Thali
Thali

Daneben gibt es noch diverse andere asiatische und chinesische Speisen, wie gebratenen Reis, Nudeln, Currygemüse und ähnliches. Alles lecker!

Zum Straßenverkehr: eigentlich herrscht Linksverkehr, aber es geht immer ziemlich durcheinander. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich westliche Fahrzeuge mit Ochsenkarren und LKW, die geschätzte 10 km/h fahren, eine Fahrspur teilen. Vorfahrt hat Polizei und Militär, danach geht es nach Fahrzeuggröße.
Mit unserem Ford liegen wir im Mittelfeld, allerdings haben wir inzwischen 2 dicke Risse in der Frontscheibe, verursacht von fliegenden Steinen des Gegenverkehrs.

Ford mit Riss in Scheibe
Ford mit Riss in Scheibe

Zebrastreifen werden nur als Straßenmalerei angesehen, man tut einiges für die passive Sicherheit, in dem man Autos bemalt und mit Stofftieren versieht.

LKW mit typischer Verzierung
LKW mit typischer Verzierung

Im Straßenbau arbeiten vornehmlich Frauen und Kinder, aber keine Panik, die Spitzhacken sind kindgerecht von der Größe und EU-zertifiziert.

Ein weiteres Highlight war heute die Seilbahnfahrt zu einem Tempel. Die Gondel ist zugelassen für 6 Personen oder 450 kg, wir waren mit 7 Erwachsenen, 2 Kindern und einem Hahn unterwegs.
Dabei hatten wir Glück, dass es nur ein Hahn war, es hätte genau so gut eine Ziege sein können, denn diese wird auf dem Berg zum Opferlamm bzw. zur Opferziege.

Opferziege
Opferziege

Zwischenspiel 2

Heute haben wir eine reine Transfer-Etappe, von Bagan nach Pyay. Das sind 340 km, die wir in 8 Stunden zurück legen. Und das liegt nicht am Auto …

Die Fahrzeuge wechseln zwischendurch, es sind aber immer moderne Vans oder Kleinbusse. Die sind dann auch mit Technik ausgestattet, damit es piept, wenn Fahrer/Beifahrer nicht angeschnallt sind. Der Burmese ist aber im allgemeinen nicht angeschnallt, wieso auch, ist doch eh alles vorbestimmt. Außerdem sind in den Gurtschlössern oft kleine Duftsäckchen eingeflochten, damit ein angenehmer Duft im Fahrzeug ist.
Damit die besagte Technik ausgetrickst wird, gibt es hier Stecker, die in die Gurtpeitsche eingesetzt werden. Dann sieht es so aus, als ob der Gurt genutzt würde. Diese Stecker sind gerne auch verziert, das heutige Modell wird von einem Kopf aus ‚Angry Birds‘ gekrönt.

Wo wir gerade beim Straßenzustand sind: überall wird fleißig gebaut und in Sachen Emanzipation ist Myanmar ziemlich führend. Hier dürfen Frauen sogar im Straßenbau arbeiten, natürlich mit Flip-Flops, auch am kochenden Teer.

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Zwischenspiel

Der Straßenverkehr in Myanmar ist noch ein bisschen heftiger als in anderen asiatischen Ländern. Über Land sind die Straßen schlecht, man kommt nur langsam vorwärts, dafür hält sich dort noch der Verkehr in Grenzen. In den großen Städten wir Yangon und Mandalay ist dafür ständig Verkehrschaos.

Bürgersteige gibt es nicht oder sie sind mit Moppeds, Fressständen oder anderem zugestellt. Geht man zu Fuß, läuft man auf der Straße. Und das bei unzähligen Auto, Moppeds und Fahrrädern, die alle kreuz und quer fahren und sich nach unserem Verständnis an keine Regeln halten. Besonders lustig wird das in der Dunkelheit, wenn gut 20 % davon auch noch ohne Licht unterwegs sind. Wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat, kommt man aber erstaunlicherweise auch damit zurecht.

Unser Guide Nan spricht, wie bereits erwähnt, ein recht verständliches Deutsch. Allerdings ‚knödelt‘ er manchmal mit der Aussprache und hat mit einigen Buchstaben Probleme, für die der asiatische Kehlkopf scheinbar nicht geeignet ist. Erinnerungen an den ‚Fönig‘ von Dirk Bach werden wach, wenn beim ‚Bahnhof‘ das ‚f‘ fehlt oder ‚Hirsch‘ ohne ’sch‘ gesprochen wird. Aber er ist wirklich immer da und erledigt alles, was ansteht. Eintrittskarten, Fotoberechtigungen, alles kauft er automatisch. Wenn wir in das Auto einsteigen, stehen 2 Flaschen Wasser – gerne gefroren – bereit und nach dem Pagodengang, der barfuß vorgenommen wird, reicht er Reinigungstücher für die Füße. Man könnte sich fast an einen solchen guten Geist gewöhnen.

Zum Wasser: es hat sich hier offensichtlich die Meinung gebildet, dass der Europäer ab 20 Grad plus kurz vor dem Hitzeschock steht. Das führt neben dem erwähnten gefrorenen Wasser dazu, dass schon am frühen Morgen die Klimaanlage im Auto auf 20 Grad steht. Alles gute Zureden hilft nicht, man will uns was Gutes tun. Also schalten wir die Düsen im hinteren Bereich des Autos ab und Fahrer und Guide sitzen vorne mit lange, Hemd, Pullunder und Jacke.

Es ist sowieso erstaunlich, wie unterschiedlich das Temperaturempfinden ist: hier ist jetzt Winter mit Temperaturen zwischen 20 und 33 Grad, im Sommer geht es hoch bis 48. Also sind die Leute vormittags mit Felljacken, Wollmützen und Handschuhen unterwegs. Wir werden da mit unseren Bermudas und kurzen Hemden regelrecht begafft.

Kleine Menschenkunde: der Australier

In unserer Reihe „Wissenswertes aus fremden Ländern“ wollen wir uns heute dem Australier zuwenden.

Der Australier ist aus vielen Nationen entstanden, ähnlich den Deutschländer Würstchen. Beiden ist gemein, dass sie  nur das Beste ihrer Vorfahren vereinen. Die Würstchen sind bspw. knackig wie Wiener, saftig wie Frankfurter und fettig wie Krakauer. Na ja, vielleicht nicht immer das Beste …

Auf jeden Fall steckt in jedem Aussi ein bisschen Engländer. Deshalb ist er auch tätowiert. Da die Vorfahren englische Verbrecher waren, sind die Tatoos auch noch hässlich. Von den Holländern hat er den Hang zum Camping, Wohnwagen sind keine Seltenheit. Von uns Deutschen hat er den Hang zu pingeligen Vorschriften, wie z. B. an Ampeln „auf keinen Fall bei rot gehen“. Wir bleiben also brav stehen, der Aussi hingegen – er hat auch französische Wurzeln – geht einfach rüber.

Sogar die Gene unserer ostdeutschen Verwandten sind schon vorhanden: man zieht sich nach dem Wetter an, nicht nach der Figur.

Die traditionelle Begrüßungsformel lautet „Hattest Du einen guten Tag“, worauf man ebenso traditionell mit „Ja, super gut“ antwortet, selbst wenn man aus mehreren Wunden blutet.

Unterm Strich kann man sagen, dass die Australier trotz ihrer hohen Alkoholpreise gut gelungen sind und es sich dabei um ein sympathisches Volk handelt. Dies mag auch daran liegen, dass die kleine Zwischenmahlzeit aus einem 250 Gramm Steak besteht. Die für normal arbeitende Menschen haben 500 Gramm, die für Schwerarbeiter ein Kilo.

Wenn sie denn nur nicht sprechen würden, als ob sie eine heiße Kartoffel im Mund hätten…

Kleine Essenskunde

Den Dreiteiler über Land und Leute wollen wir heute mit dem Thema „Speis und Trank“ beenden.

Das Sprichwort „Chinesen essen alles, was 4 Beine hat, außer Tische“ trifft auch auf Vietnamesen zu. Nur bin ich mir bei denen mit den Tischen nicht so sicher. Generell isst man Katzen- und Hundefleisch, im Mekong-Delta auch Ratten, da die sich ja gesund mit Reis ernähren.
Alle Arten von Vögel müssen ebenfalls dran glauben, nur Störche kommen davon, weil sie bitter schmecken. Affen, Schlangen, Schnecken, Frösche; alles wird verputzt.

Wenn etwas gar zu ekelig ist, bekommt es den Beinamen „gesund“, wird in Alkohol eingelegt und dann gegessen. Auf diese Art und Weise können auch noch Spinnen, Skorpione und Eidechsen verwendet werden.
Das macht den normalen Mitteleuropäer natürlich skeptisch und schränkt die Speiseauswahl ein. Wenn man dann wie wir clevererweise die Tour mit Mittagessen gebucht hat, kommt es auf dem Platten Land schon mal zu Problemen: Die Karte kann man nicht entziffern; dem Guide, der seit 3 Tagen vom proteinhaltigem Hundefleisch schwärmt, traut man nicht und vegetarische Speisen gibt es nicht.

Also gibt es das ganze Menü und man ernährt sich von der Suppe, dem Reis und Gemüse und sagt dann, man sei schon satt. Man sieht förmlich, wie die Leute sich fragen, wieso die Touris bei so wenig essen so dick sein können.

Uns locken inzwischen die ganz normalen Köstlichkeiten: Currywurst, Frikadellen, Gordon Blöd, Pellkartoffeln mit Quark.
Das ein oder andere werden wir hoffentlich in Thailand bekommen, für den Rest warten wir noch 10 Tage und trösten uns derweil mit Cocktails und Bier.

Kleine Verkehrskunde. Oder: Fahr doch, wo Du willst!

So, wie bei skandinavischen Fahrzeugen das Abblendlicht eingeschaltet ist, sobald man startet, so fängt es bei vietnamesischen an zu hupen, sobald die  Zündung eingeschaltet wird. Ein Auto ohne Hupe ist Totalschaden!

Eigentlich fährt man rechts, aber nicht immer und Moppeds noch seltener. Dafür ordnet man sich Links ein, um dann nach rechts  abzubiegen. Überholt wird beidseitig, wo es gerade passt. Generell gilt das Recht des Stärkeren bzw. der teureren Marke. Lexus schlägt Mercedes, Mercedes Audi usw. Insofern sind wir im Toyota eigentlich ganz gut unterwegs.
Trumpf sind allerdings Busse, die toppen alles, wenn sie mit ihren 3-Klang-Fanfaren den Weg frei blasen. Ampeln – sofern vorhanden – gelten als Vorschlag, nicht als Pflicht. Alles mit Rädern hat immer Vorfahrt. Das ist im Auto als Mitfahrer interessant, aber als Fußgänger wird es lebensgefährlich: Man ist das schwächste Glied in der Futterkette und wird sogar von Fahrrädern ‚gefressen‘.

Daher gilt beim Strasse queren die eiserne Regel: Nicht stehen bleiben! Man wird als bewegliches Ziel nicht so schnell getroffen, die  Fahrer versuchen einen zu umfahren. Wenn man dann plötzlich nicht dahin geht, wie vom Fahrer erwartet, dann knallt’s.

Inzwischen haben wir uns ganz gut an diese Vorgehensweise gewöhnt, machen uns aber Sorgen, wie das nach unserer Rückkehr zu Hause klappen soll. Wenn Ihr also im März einen roten Mazda laut hupend auf der falschen Straßenseite bei rot über Ampeln rasen seht, dann macht Euch keine Gedanken, wir leben uns schon wieder ein.

Kleine Sprachkunde: Fik und fertig Oder: Wie aus 6 Teilen kranke Schweine werden!

Ich glaube, es wird Zeit, über unseren Führer zu berichten. Na,  vielleicht sage ich besser Guide.

Blick in die Halong Bucht

Vorab: Wir haben uns auf der Dschunke fließend mit einem englischen Ehepaar unterhalten. Aber unser Guide – Mr. Hien –  toppt alles: Er sieht aus wie ein Monchichi und spricht sein eigenes Englisch. Aus ‚p‘ wird ‚b‘, aus ‚r‘ wird ‚l‘, ein ‚t‘ wird nicht gesprochen, außer am Anfang des Wortes. Andere Buchstaben werden nach Belieben ausgelassen. Das birgt einige Schwierigkeiten: Aus der Zahl sechs (Six) wird schnell eine Krankheit (sick), aus Stücken werden Schweine (piece ==>  pig).

Am schlimmsten war die Verwirrung, als er uns von einer  Butterzeremonie erzählte und wir erst nach 5 Minuten merkten, dass er von traditioneller Töpferei sprach. Leider hat Mr. Hien auch die Angewohnheit, ständig zu reden. Hauptsächlich über die Perfektion Vietnams und seiner Geschichte. Gegenrede, dass man in Deutschland ebenfalls Bauern hat, ignoriert er. Diskussionen über das zu zahlende Schulgeld hier im Land weicht er per Exkurs in die Geschichte aus. Das – zusammen mit den genannten Sprachproblemen – macht das Gespräch nicht einfacher.

Er ist inzwischen überzeugt, dass Bianka geisteskrank ist, da sie an – seiner Meinung nach – unmöglichen Stellen lacht. Aber insgesamt hat er in den letzten Tagen vielleicht 10 Minuten die Klappe gehalten. Es gilt nun also, Gegenmaßnahmen zu ergreifen: Bewährt hat sich Klimpern auf dem Handy, das gilt international als beschäftigt. Problem: Akkulaufzeit. Alternativ können wir singen, für bekloppt hält er uns eh. Morgen versuchen wir es mit Kopfhörern auf den Ohren, vielleicht lässt er sich davon beeindrucken.
Wenn alle Stricke reißen, muss eben ein freundliches ‚Halt’s Maul‘ her, aber das entspricht nicht der asiatischen Höflichkeit. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten, wir haben ihn ja nur noch 2 Tage.

Hien (links), Mr. Lee (Mitte), daneben Heiko. Wir wünschen Hien, dass sich sein Wunsch – ein Leben als Fischer in der Halong Bucht – erfüllt hat

In diesem Sinne: Bis die Tage

Fleisch ist mein Gemüse

Es ist vielleicht mal an der Zeit, über die Essgewohnheiten der Namibier zu berichten. Hier wird gerne gegrillt und noch lieber isst man Fleisch. Das heißt, wenn man mag kann man sich wochenlang mit köstlichem Antilopenfleisch wie Kudu, Springbock und ähnlichen ernähren. Immer schmackhaft zubereitet eben vom Grill, in Rotweinsoße oder gebraten.

Das hervorragende Büffet mit nettem Personal

Wenn man allerdings kein Fleisch mag, dann ist man ziemlich aufgeschmissen. Wir haben in einer Unterkunft eine Amerikanerin kennen gelernt, die Vegetarier ist. Sie freute sich tatsächlich auf das Urlaubsende, weil ihr nach 3 Wochen Namibia der Blumenkohlauflauf, der ihr überall serviert wurde, aus den Ohren heraus kommt.