Zugfahrt

Nach einer Nacht, in der wir beide gut schliefen, ging es gemütlich um 9.00 Uhr zum Frühstück.
Ein besonderes Programm für den heutigen Tag gab es nicht, so sind wir ziellos durch die Stadt geschlendert. Durch kleine und größere Gassen führte unser Weg und überall waren die Menschen nett zu uns und lächelten uns an. (Ich gehe mal nicht davon aus, dass sie uns auslachten). Wir wurden während des ganzen Tages nur einmal angebettelt und dass von einem Mönch, natürlich hat Hasi ihm etwas Geld gegeben und so was für sein eigenes gutes Karma getan.

Nette Menschen auf den Straßen von Yangoon

In einem winzigen Supermarkt deckten wir uns mit Wasser und Rum für die Zugfahrt ein. Kekse und Bier hatten wir bereits gestern geholt.

Zurück im Hotel verteilten wir die Stapel an Geldscheinen für den Rest der Reise erneut, damit für den hoffentlich nicht eintretenden Falls eines Diebstahles nicht alles auf einmal geklaut würde. Lecker essen waren wir beim Chinamann und standen um 15.30 mit gepackten Sachen und frisch geduscht im Foyer.

Wir sitzen im Bus. Das Abenteuer kann beginnen. Im Internet hatte ich im Forum immer nur Andeutungen über Zugfahren in diesem Land gelesen, nie hat jemand hat konkret gesagt, ob es gut oder schlecht ist. Immer war nur die Rede von einem einmaligen Erlebnis. Ein einmaliges Erlebnis kann positiv wie auch negativ ausgelegt werden. Meine Erwartungen waren daher also eher niedrig und ich machte mich schon auf Vorwürfe von Hasi gefasst, weil das Bett für ihn zu kurz war oder es Mücken im Abteil gab.

Unser Zug fährt ein

Als der Zug in den Bahnhof einfuhr, dachte ich kurz darüber nach, wie teuer wohl eine Taxifahrt nach Mandalay wäre, denn das Schienenfahrzeug machte keinen vertrauensvollen Eindruck. Wie erfreut war ich, als ich auf meinem Platz saß! Er hatte die Ausmaße eines bequemen Fernsehsessels, ließ sich auch gut nach hinten in „fast-liege-Position“ verstellen und auch die Tatsache, dass meine Reisetasche nicht im Gepäckfach Platz fand und sie daher an meinen Füßen abgestellt werden musste, störte kein bisschen.
Dann wuselten Kellner durch unseren Waggon, notierten sich die Anzahl der bestellten Biere und zu welchem Zeitpunkt man eins haben wollte. Das hatte den Vorteil, dass das Bier direkt zu Beginn der Fahrt reserviert wird und keine Engpässe entstehen. Essen konnte auch bestellt werden, da waren wir aber misstrauisch und wir hatten ja auch Kekse und Bananen.

Der freundliche Koch im Zug bei der Arbeit

Ich wollte eh nicht so viel essen und vor allem nicht trinken, denn ich wollte versuchen, bis Mandalay nicht Pipi machen zu müssen. So weit ging meine Abenteuerlust nun doch nicht. Bis Mandalay waren es 640 km. Wir werden zwischen 7.00 und 8.00 Uhr (eine genauere Angabe gab es tatsächlich nicht) dort ankommen. Pro Stunde legen wir also 85 km zurück, da werden wir schon nicht in einen Geschwindigkeitsrausch kommen.

Gemütlich kuschelte ich mich mit meinem Kissen in den Sitz, auf dem Bahnsteig ertönte ein Pfiff ……. und dann fuhr der Zug los!! Das war ein Schaukeln, Rütteln, Schwanken und Rattern. Wir haben uns umgesehen und einige konnten auch darüber lachen, wenn mit einem Mal erwachsene Menschen in ihren Sitzen hopsten, als würden sie „Hoppe Hoppe Reiter“ spielen, auf jeden Fall war nun klar, warum der Zug nicht schneller fahren konnte: Er wäre mit seinen Wagons aus den Schienen gesprungen.

Nach ein paar Kilometern, also nach einer halben Stunden und Erreichen der Reisegeschwindigkeit, ließen wir Yangon hinter uns und sahen, wie es wirklich um das Land bestellt ist. Da waren Hütten, auf Holzpflöcken stehen, die Wände und das Dach notdürftig mit Strohmatten bedeckt.
Vor den Hütten hockten Frauen und Männer auf dem Boden, während halbnackte Kinder lachend um die Erwachsenen herumsprangen. Da es seit Oktober hier nicht mehr geregnet hat, lag auf allem eine dicke Schicht Staub. Der Staub hatte eine leicht rötliche Farbe, so dass auch das vermeintliche Grün von Bäumen und Sträuchern vertrocknet aussah. Im Zug verstummten die Gespräche, weil wir alle gebannt aus den Fenstern starrten. Jupp sprach dann aus, was wir alle fühlten: „Was geht es uns doch gut.“

Als es draußen dunkel wurde, schlief ich ein. Mit dem Erscheinen meines Sandmännchens hatte ich bei der Hopserei nicht gerechnet, um so erstaunter war ich, dass ich erst Mitternacht wach wurde, weil der Zug stand.
Hasi hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlafen, lediglich ein bisschen gedöst und konnte mir berichten, dass das Bier immer pünktlich kam. Er hatte für 20.00 und für 21.00 Uhr eine Flasche Bier bestellt und jeweils 10 Minuten vorher wurde er gefragt, ob es denn recht sei, dass gleich serviert wurde. Vom Service her gesehen, also unerreichbar. Sogar das Essen, das einige bestellt hatten, muss wohl sehr gut gewesen sein.

Wir waren an einem Bahnsteig zum Halten gekommen. Sofort wurde der Zug (von außen) von 8 – 10jährigen Kindern belagert, die uns Sachen zum Essen verkaufen wollten. Gebettelt hatte keins von ihnen.
Ich überlegte, ob ich den Kindern ein paar Bonbons geben soll, wäre mir aber doof dabei vorgekommen, die Sachen aus dem Fenster zu werfen. So beschränkte ich mich auf Winken und Grimassen schneiden. Den Kindern hat das auf jeden Fall auch gefallen.

Mandalay

Fix schlief ich wieder ein und wurde erst wieder wach, als die Sonne aufging. So habe ich gut und gerne 8 Stunden gepennt. Sogar Hasi hat seinen Wachposten für 3 Stunden aufgeben können.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass der Rest der Gruppe wenig bis gar nicht geschlafen hatte.

Ankunft im Bahnhof von Mandalay

Wir waren nun also in der Stadt mit dem wunderschönen Namen Mandalay angekommen, die sogar schon von Robbie Williams besungen wurde.
Unser Hotel war ganz gut, allerdings der Geruch nach Mottenkugel im Bereich des Foyers für meinen Geschmack etwas zu intensiv.
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, gab es Frühstück und schon machten wir uns mit dem Bus auf die Socken, um die Umgebung von Mandalay zu erkunden.

Unser Reisebus. Eine Geschichte für sich:
Der Bus hatte 22 Sitzplätze und mindestens genau so viele Stehplätze, dafür aber kein Gepäckfach und keine Ablagemöglichkeiten über den Köpfen.
Als Ausgleich dazu, waren die Sitze ausgesessen und nur 40 x 40 breit. (Also nix für europäische Wohlstandshintern) Die Armlehne des Gangsitzes konnte nicht in hochgestellt werden, die Klimaanlage funktionierte ab der 4. Reihe nicht, dafür saß man in der hintersten Reihe auf den Motor und der Hintern wurde gegrillt.
Früher, als der Bus noch neu und modern war, wurde er in China als Stadtbus eingesetzt, so deuteten wir es jedenfalls und die chinesischen Schriftzeichen, die neben den Klingelknöpfen angebracht waren, hießen übersetzt bestimmt „wenn halt – dann drücken“.

Unser hochmoderner 20-Sitzer-Bus

Da saßen wir also. Eng aneinander gekuschelt. Ich glaube, die Sitzfläche unsers Sessels im Wohnzimmer hat die Breite von 80 Zentimetern, wenn wir das also gewusst hätten, zu Hause üben für burmesische Busfahrten wäre nie einfacher gewesen.
Heiko meinte, wir sollten im Bus tageweise rotieren, damit jeder mal auf guten und schlechten Plätze sitzt. Dann tat er noch kund, dass dies der zweitbeste Bus der Agentur sei, mit dem besten wären wir in Yangon gefahren und dort wäre er auch noch.

Wir waren mit unserer Meckerei gerade am Ende, da hielten wir auch schon am Fuß von Mandalay Hill. Auf den Berg und damit zu der oben errichteten Pagode konnte man entweder laufen oder – und diese Variante wählten wir – man konnte sich von Pick ups auf den 236 m hohen Berg fahren lassen. Oben angekommen erwartete uns leider nicht der erhoffte grandiose Fernblick, es war dunstig. So erfreute ich mich eben an der Two Snake Pagoda mit ihren vielen Spiegelmosaiken.
Wieder unten am Berg angekommen, fiel mir die große Reklametafel eines Handlesers auf. Ich also hin. Ich sah im Schatten einen alten Mann sitzen. Höflich und mit artiger Körperbeugung fragte ich ihn, ob er fotografiert werden möchte. Er nickte freudestrahlend und als ich ihm dann sein Foto auf der Digitalkamera zeigte, hatte auch er seinen Spaß und erklärte mir mit stolzgeschwellter Brust, er sein ein Hindu und kein Buddhist und daher ein Spezialist im Lesen von Linien in den Händen. Aha.

Der sympathische Handleser von Mandalay

Weiter ging es dann zur Kuthodaw Pagode. Hier war es nicht die große Pagode, die mich zum Entzücken brachte, sondern die 729 Marmortafeln, auf denen die buddhistische Lehre mit kleinen, in Brezelschrift gehaltenen Wörtern eingraviert war. Jede Tafel stand in einer eigenen kleinen Pagode von ca. 4 m² und etwa 2,50 Meter Höhe. Es war einfach toll.
Die Größe des Kunstwerkes und das, was ich durch den Reiseführer erfuhr, (wie z.B., dass derjenige, der alle Tafeln lesen will, dafür 450 Tage braucht – vorausgesetzt, er liest 8 Stunden pro Tag), konnte ich erst richtig verstehen, als ich das anschaulich gehaltenen Model sah.
Im Inneren der Pagode verkauften nette Mädlchen handtellergroße Gongs. Ich konnte natürlich nicht daran vorbeigehen und nehme mir fest vor, ihn als „Hasi, das Essen ist fertig“ Gong zu benutzen und bin jetzt schon gespannt, wie lange es dauert, bis auch unser Kater den Zusammenhang zwischen dem Gonglaut und der Essensverteilung seiner Menschen erkennt.

Der nächste Stopp galt dem Shwenandaw Kloster und ich bin froh, dass ich mir zwischendurch immer Stichworte aufgeschrieben habe, sonst wäre ich mit der Reihenfolge und den Namen von Pagoden, Stupas und Klöstern durcheinander gekommen.
Das Besondere für mich an diesem Kloster war a) die Tatsache, dass es nur aus Teakholz besteht und b) schon zweimal „umgezogen“ ist. Wie so ein Umzug durchgeführt werden konnte, war mir ein Rätsel, zumal das Kloster ein riesengroßes 2stöckiges Haus mit umlaufenden Balkonen ist und auf 150 dicken Teaksäulen steht.

Das Shwenandaw-Kloster

Ganze 800 Tonnen soll der Marmorblock wiegen, aus dem der 15 Meter hohe Buddha der Kyauktawgyi Pagode besteht.
Nachgewogen hat es keiner, so wie auch keiner von uns kontrolliert hat, ob der Schmuck auf seiner Stirn wirklich aus 54 einkarätigen Diamanten besteht. Ich muss aber zugeben, dass mir die Information bezüglich der glitzernden Steine wesentlich wichtiger gewesen wäre.

Die anschließende Pause nutzen einige zum Mittagessen, Heiko und ich gönnten uns eine Star-Cola, die burmesische Variante der Pepsi Cola. Hunger hatten wir beide keinen, für alle Fälle kauften wir uns aber noch ein Päckchen Kekse, das natürlich den Abend nicht überlebte.
(Wenn ich ehrlich sein soll, auch nicht die nächsten zwei Stunden, aber was gibt es schöneres auf der Welt, als eng aneinander gekuschelt im überhitzen Bus zu sitzen und die schwitzigen Anziehsachen mit Kekskrümeln zu garnieren?)

Bevor wir einen Kulturschock erlitten, galt unser nächster Halt einer Blattgold Werkstatt. Aus Fernsehberichten über die Vergoldung der Teilbereiche des Nachbaus vom legendären Bernsteinzimmers wusste ich, dass Blattgold hauchdünn ist.
Wie dünn „hauchdünn“ ist, weiß ich aber erst, nachdem ich es selber mit eigenen Augen gesehen habe. Es ist so dünn wie ……. ja wie denn? Mir fällt nichts ein, was vergleichbar wäre.
Interessant war es auf jeden Fall, bei der Herstellung zu zu sehen. Die Mädchen, die das Blattgold, das Männer zuvor „geschlagen“ haben, zu den kleinen Päckchen zusammen führten, saßen in einem separaten Bereich, der mit einer Glasscheibe gegen etwaigen Luftzug geschützt war. Das Blattgold war so dünn, dass ein Luftzug es hätte zerreißen können. Kann man sich jetzt ein Bild davon machen, wie dünn Blattgold ist???

Gegenüber der Werkstatt, auf der anderen Straßenseite, sah ich dann aber etwas, was ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Riesige, mindestens 8 Meter lange und ca. 50 cm breite Pythonhäute waren zum Trocknen über eine Holzstange gehängt worden. Hatte ich jemals mit dem Gedanken gespielt, eine Python in freier Wildbahn, sprich im Dschungel sehen zu wollen? Nachdem mir hier vor Augen geführt wurde, wie groß die Viecher werden können, brauche ich den Anblick von lebendigen Exemplaren nicht wirklich.

Die letzte Besichtigung einer heiligen Stätte des Tages war die der Mahamuni Pagode.
Die Mahamuni Statur in der Mitte dieser Pagode soll die mit Abstand meistverehrte Figur Myanmars sein. Als Zeichen der Ehrerbietung wird sie permanent von Männern (Frauen dürfen nicht an sie ran) mit Blattgold beklebt. Die etwas über 100 Jahre alte Figur ist kaum noch als solche zu erkennen. Das Gewicht des aufgeklebten Goldes wird auf mehrere hundert Kilogramm Gold geschätzt. Am Arm soll 25 cm Blattgold und an der Brust sogar 35 cm Blattgold kleben. Die Finger der rechten Hand haben ihre ursprüngliche Form auf jeden Fall schon verloren.

Ich weiß jetzt ja, wie dünn Blattgold ist und kann daher nicht erahnen, wie viele Menschen ihr Geld in Blattgold getauscht haben – anstatt sich was zum Essen oder zum Anziehen zu kaufen – nur um diese Pilgerstätte aufzusuchen und die Statur zu bekleben. Mit offenem Mund stehe ich in gebührlichem Abstand vor dem Klotz Gold. Viel näher als 10 Meter darf ich als Frau ja nicht an Mahamuni ran.

Im Reiseführer lese ich dann nach (Hasi macht derweil die Fotos für uns), dass die Menge Blattgold, die beim Ankleben herunterfällt, zusammengekehrt wird und pro Jahr ein knappes Kilo Gold betragen soll. Auf der Stirn trägt Mahamuni mehr Rubine, Saphire und Diamanten, als jedes andere gekrönte Haupt Europas ….. Hasi, lass uns gehen, mir wird schwindelig!

Nachdem wir fast den ganzen Tag etwas für unser geistliches Wohlbefinden etwas getan bzw. uns angesehen hatten, kam nun der Werkstättenmarathon.
Zuerst waren die Marionettenhersteller an der Reihe. Der Stopp war für mich entgegen aller Erwartungen sehr interessant, da wir den Mädchen, die die Kleider der Marionetten sticken, direkt auf die Finger sehen konnten.
Die Besuche bei den Steinhauern (der Buddhafiguren) und Bronzegießern (auch der Buddhafiguren) haben mich dann nicht so vom Hocker gehauen.

Eigentlich war ich von den ganzen zu Gesicht bekommen Sachen satt. Meine geistige Aufnahmekapazität an visuellen Dingen war gleich null und daher verließ ich mit relativ wenig Elan den Bus, der uns zur letzten Station, dem Sonnenaufgang bei der U-Bein-Brücke brachte. Quatsch, natürlich nicht Auf- sondern Untergang. Jetzt konnte ich erkennen, wie kaputt ich war.

Das Angebot, sich mit einem Boot über den Fluss rudern zu lassen, den man vorher zu Fuß auf der U-Bein-Brücke überquert hatte, konnte mich nicht locken. Zum Glück sah Hasi es genauso. Wir saßen also in einer Art Biergarten, ohne Bier, dafür aber mit frisch aufgeschlagener Kokosnuss und beobachteten das bunte Treiben auf der längsten (1,2 km) Teakholzbrücke der Welt. Es war herrlich ruhig und entspannend.

Sonnenuntergang nahe der U Bein Brücke

Allerdings begann hier auch mein Faible für Kinderbilder. Zwei ganz niedliche, von oben bis unten staubige und mit Rotznasen versehene Jungs drückten sich neugierig an unserem Tisch herum. Ich nahm Augenkontakt mit ihnen auf und bestach sie dann mit je einem Bonbon sich zu uns setzten, damit ich meine Fotos machen konnte. Das war nun der Anfang. Viele, viele Kinderbilder sollten noch kommen, ich wusste jetzt ja, womit sie zu locken war. Ab sofort gab es daher keine Bonbons mehr für uns.

Das erste von einer ganzen Reihe von Kinderbildern

Zurück im Hotel gab es als Belohnung für den Tag erst ein großes kaltes Bier und dann eine Thai Suppe. Scharf war sie. Als Einlage waren Nudel, Hühnchenfleisch (?) und Wachteleier zu erkennen. An diese kleinen Dinger hatte ich mich bislang nicht herangetraut – schmeckten dann aber so wie ein ganz kleines Hühnerei.

Bootsfahrt und Mingun-Pagode


Ein erlebnisreicher Tag sollte uns bevorstehen.

Nach einem guten Frühstück fuhren wir um 7.00 Uhr mit dem Bus zum Hafen von Mandalay, wo unser gechartertes Boot schon auf uns wartete.

Als wir am Hafen ankamen, hielten wir erst die Luft an, nicht weil es hier gestunken hat, nein, sondern wegen der vielen armseligen Hütten, die am Flussufer standen. Lieblos waren sie zusammengeschustert, die „Wände“ bestanden aus alten leeren Ölfässern, darüber waren dann Plastikplanen als Decke gespannt.

Die ärmlichen Hütten am Hafen

Wir bestiegen unser Boot und fuhren eine Stunde auf dem Ayeyarwady. In gemütlich großen Korbstühlen begannen wir den Tag und betrachteten interessiert das Ufer des großen Flusses. Es ist nicht unbedingt dicht besiedelt und wenn ein paar Hütten zu sehen sind, so wirkten sie armselig auf mich.

Wir machten unseren ersten Halt des Tages an der Anlegestelle von Mingun. Das Boot rutschte langsam auf den Sand und über ein schmales Brett balancierten wir an Land. Anscheinend war hier bekannt, dass Touristen gerne Souvenirs einkaufen, denn uns erwarteten ca. 10 Kinder, die uns Glocken, Fächer, Ketten und anderen Krimskrams andrehen wollten. Sehr hartnäckig waren sie und verfolgten uns auch eine Weile. Zum Glück hatten sie dann aber doch die Lust verloren – keiner von unserer Gruppe kaufte ihnen etwas ab.

Heiko führte unsere Gruppe an und ging geradewegs in ein Altersheim hinein. Es war hier nicht ein großes Haus, wie wir es von zu Hause gewohnt sind, sondern viele kleine Hütten, die um einen Versammlungsplatz herum errichtet wurden. Die Oberschwester begrüßte ihn und freute sich sichtlich, dass er nicht mit leeren Händen kam. Die Gruppe vor uns hatte ihm nämlich Medikamente und Verbandsmaterial gegeben, das während der Reise nicht gebraucht wurde und dieses Päckchen bekam die Frau nun ausgehändigt.

Den angebotenen Tee mussten wir leider ablehnen, denn wir hatten am heutigen Tag noch viel vor. Wir versprachen der Oberschwester aber, am Ende unserer Reise auch für die Alten zu sammeln. Wir wurden von ihr darauf hin mit den besten Wünschen für unser jetziges und unsere folgenden Leben verabschiedet.

Weiter ging es und nach einem kurzen Fußmarsch von 10 Minuten erreichten wir die Mingun Pagode. Diese Pagode sollte die größte und schönste und was weiß ich noch alles Pagode aller Zeiten und der gesamten Welt werden, wurde aber nie fertig gestellt. Seit etwa 300 Jahren steht nur der angefangene Ziegelbau, der ein Drittel der geplanten Höhe erreicht hat und sieht beeindruckend aus. Obwohl es sich nur um das Fundament einer Ruine handelt, mussten wir die Schuhe ausziehen, um die bestehende oberste Plattform zu besteigen.

Die halb verfallene Mingun Pagode

Es gingen bis auf Krätze auch alle mit, der Kerl blieb unten und trank sich ein weiteres Bier. Das erste hatte er schon kurz nach dem Ablegen des Bootes geleert.

50 Meter sind wir auf – durch ein Erdbeben teilweise zerbrochen – Stufen nach oben geklettert. Natürlich ohne ein Geländer! Oben angekommen, hatten wir dann aber einen wunderbaren Blick über den Fluss und vor allem auf eine große weiße Pagode.

Wieder heil unten abgekommen, trennten wir uns von der Gruppe und vereinbarten eine Uhrzeit, zu der wir wieder am Boot sein sollten.

Unser Weg führte uns als nächstes zur Mingun-Glocke. Eine neue Superlative, denn sie soll die größte funktionierende Glocke der Welt sein. Ich stellte mich also hinein, was bei einer Höhe von fast 4 Metern keine große Kunst war und ließ Hasi mit einem großen dicken Holzstab von außen an die Glocke klopfen. Erwartet hatte ich, dass mir die Ohren abfallen und ich für ein paar Minuten taub sein werde, aber nicht geschah. Auch auf meine Aufforderung „fester, fester“, wurde es im Inneren der Glocke nicht sehr laut.

Als ich dann mit Hasi die Plätze tauschte, trommelte ich wie blöd mit dem Holzstock auf der Glocke herum (zwei Kinder, die uns die ganze Zeit beobachteten, fanden dass zum Schreien komisch – haben daher auch keine Bonbons bekommen). Was soll ich sagen? Hier draußen klang die Glocke wunderschön.

Die Mingun Glocke

Über die unbefestigte (Haupt-) Straße weiter laufend, erreichten wir nach ein paar Minuten die kleine Molmi Pagode. Hier war im Mittelpunkt des Gebäudes mal nicht Buddha zu sehen, sondern ein Mönch. Klasse fand ich, dass man dem guten Mann eine Sonnenbrille aufgesetzt hatte.

An der Straße standen, ja soll ich sie „Restaurants“ nennen?

Es waren Garküchen, hatten aber selbstgezimmerte Bierzeltgarnituren aufgestellt und alles mit Planen überdacht. Wir sahen den Frauen eine Zeitlang beim Kochen zu und beschlossen, auf dem Rückweg hier etwas Proviant für die Weiterfahrt zu kaufen.

Nun kamen wir auch zu dem Gebäude, das wir von der Plattform der Ruine aus gesehen haben. Es war die Myatheindan Pagode. Ganz in weiß gehalten, sah sie mit dem tiefblauen Himmel als Hintergrund genial schön aus. Wir steppten über die mittlerweile heißen Stufen und bestiegen so ohne große Ehrfurcht die sieben Terrassen des Gebäudes, von dessen Spitze wir wiederum einen schönen Blick in die Ferne hatten.

Die Myatheindan Pagode

Von dem Örtchen Mingun hatten wir nun alles gesehen, was wir für uns lt. unserem Reiseführer für interessant hielten. Da noch Zeit war, bis das Boot weiter fuhr, machten wir Rast in einem der zuvor beschriebenen Restaurants. Es gab Star-Cola und zum Mitnehmen ließen wir uns 4 kleine Bällchen einpacken, die in Form und Aussehen an Frikadellen erinnerten, 2 gebackene Maistaler und zwei Sachen, die aussahen wie gefüllter Blätterteig.

Das leckere fritierte Essen aus einer Garküche

Für unser Mittagessen zahlten für umgerechnet 20 Cent. Es wäre also kein großer Verlust, wenn die Speisen nicht schmecken würden.

Auf dem Weg zum Boot kamen wir noch an einem Künkelstand vorbei, der mich magisch anzog. Auf langen Brettern war hier allerlei Kunsthandwerk ausgestellt. U.a. auch Marionetten. In der Marionetten – Werkstatt waren mir die Figuren recht teuer vorgekommen, als ich an diesem Stand mit dem Feilschen fertig war, konnte ich für 2,50 eine schöne Marionette mitnehmen, die mit einem schönen, mit vielen silbernen Pailletten bestickten Kleid angezogen war.

Nach einer zweistündigen Bootfahrt erreichten wir das Dörfchen Inwa. Wir stiegen auf Pferdekutschen um und hatten leider keine gute Wahl mit unserem Zossen. Er wird garantiert nie die blaue Schleife für den Galopper des Jahres erhalten. Er ließ sich von allen anderen Gespannen überholen und war immer der letzte. Vor allem die Berliner hatten ihren Spaß, denn ihr Pferd hatte wohl ein Abonnement auf das besagte blaue Band.

NICHT der Galopper des Jahres

Im Bagaya-Kloster konnte ich eine Vielzahl der Kugelschreiber loswerden, die wir vor der Reise von Oliver geschnorrt hatten. In dem vollständig aus Teakholz erbauten Kloster saßen Kinder auf dem Boden und hatten ihre Blöcke oder einfache weiße Blätter auf kleine Bänken gelegt und schrieben. Von einem strengen Lehrer, der garantiert auch von der Rute Gebrauch machte und einem gütig aussehenden Mönch wurde der Unterricht geleitet.

Schulklasse im Bagaya Kloster

Das finster aussehende Gesicht des Lehrers hellte sich aber auf, als er die Stifte in die Hand gedrückt bekam und der Mönch murmelte etwas ………. bestimmt hat er mir gewünscht, dass ich als Dank für meine großzügige Spende in meinem nächsten Leben als Mann zur Welt kommen.

Von Müdigkeit keine Spur, eroberten wir noch ein Kloster und einen alten Wachturm. Die letzte Station erreichten wir mit dem Bus, der uns unterwegs wieder aufgesammelt hat. An einer Pagode, deren Name ich dummer Weise nicht aufgeschrieben hatte und daher nun auch nicht mehr wieder geben kann, verbrachten wir die Zeit bis zum Sonnenuntergang und fuhren mit dem Bus zurück nach Mandalay.

Auch an diesem Abend aßen wir in dem Restaurant unseres Hotels gut zu Abend. Wir saßen mit E. und O. zusammen und haben so gelacht, dass mancher aus der Gruppe bestimmt gerne bei uns gesessen hätte.

Nyaung Shwe


Um 5.00 Uhr war die Nacht vorbei. Geschlafen haben wir beide nicht sehr gut. In der Nacht fiel der Strom mehrmals aus und damit auch die Klimaanlage. Es wurde schnell warm in unserem Zimmer und um uns herum dröhnten Generatoren.

Die Weiterfahrt begann nach einem guten Frühstück um 6.00 Uhr.

Eng war es in dem Bus, der bis zum letzten Platz gefüllt war und absolut abenteuerlich die Art und Weise, wie unsere Gepäckstücke auf der hinteren Bank befestigt wurden.

Eindrücke am Straßenrand 1

Nach 2 Stunden gab es die erste Kaffeepause und nach weiteren 2 Stunden konnten wir gemütlich über einen Markt schlendern. Zum Mittagessen sind wir in einem kleinen beschaulichen Restaurant gelandet, das über insgesamt 3 Tische verfügte und verspachtelten eine leckere Nudelsuppe.

Eindrücke am Straßenrand 2

Nach weiteren 2 Stunden kamen wir endlich in Nyaung Shwe, einem Ort direkt am Inle-See gelegen, an.

Unsere Unterkunft, das Golden-Express-Hotel, war ganz einfach und schlicht ausgestattet, aber tiptop sauber, für mich das wichtigste. Allerdings waren die Wände so dünn, dass ich mich ohne große Anstrengungen mit Ronald, der im Nebenzimmer wohnte, unterhalten konnte.

Für den Abend verabredeten wir uns mit E. und O. Der Rest der Gruppe wollte zu den „Vier Schwestern“. Für dieses Restaurant musste eine Reservierung erfolgen, was wohl so viel bedeutet: gutes Essen, aber auch immer voll. Außerdem gab es immer nur ein Gericht und wenn man das nicht mag, Pech.

Darauf hatten wir vier jedoch keine Lust und steuerten das „Aroma“ an, das in meinem Reiseführer auch empfohlen wurde. Als wir dann vor dem indischem Restaurant standen, wollten wir eigentlich schon gehen. Es sah wie eine Doppelgarage aus und noch kein Tisch war besetzt. Als jedoch die Frage nach Bier mit „natürlich kalt“ beantwortet wurde, gingen wir hinein und bereuten den Entschluss nicht. Aufs Beste bewirtet und vollkommen überfressen, nahmen wir einen Absacker und sanken müde in unsere Betten.

In dieser Nacht wurde ich wach und konnte jemanden laut schnarchen hören. Die Geräusche kamen aus einem der umliegenden Zimmern, ich konnte aber nicht orten, aus welchem.

Inle-See


Die Frage nach dem Schnarcher konnte auch am Frühstückstisch nicht geklärt werden, denn alle Bewohner der Nebenzimmer hatten die Schnarchgeräusche gehört. Auf jeden Fall hatten wir so mit den Berlinern schon am Frühstückstisch unseren Spaß.

Gegen 7.30 bestiegen wir unser kleines Teakholzboot. In so ein Boot passen 4 Personen. Gestern hatten wir mit E. und O. geklärt, dass wir uns ein Boot teilen, denn keiner wollte mit Krätze fahren.

Die Flotte wartet
Hasi und O. auf großer Fahrt

Nach einer herrlichen Fahrt über den Inle-See, wo wir bereits zu Anfang die berühmten Beinruderer sahen, machten wir halt in Indein. In Abständen von 5 Tagen ist in den verschieden kleinen Städtchen rund um den See Markt, heute war eben Indein an der Reihe. Den Markt wollten Hasi und ich aber erst zum Schluss erkunden und gingen sofort los in Richtung Pagode.

Einer der berühmten Einbeinruderer vom Inle-See

Es war eine gute Entscheidung, soviel vorneweg. Die unzähligen Händler, die auf den Stufen zur Pagode ihre Waren anbieten, waren jetzt erst dabei, ihre Stände aufzubauen und so kamen wir, ohne groß aufgehalten zu werden an der Pagode an. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und hatte als Besonderheit einen riesigen Fußabdruck Buddhas zu bieten. Was uns aber viel mehr begeisterte, war das große Pagodenfeld um uns herum.

Es waren Hunderte von kleinen Stupas, die rund um die Pagode errichtet wurden. Sie standen dicht an dicht, manche waren kaum 1,50 Meter groß. Viele waren schon verwittert und wiesen Schäden durch diverse Erdbeben auf, aber alle – und das war das einmalige – alle hatten einen Kranz aus Glöckchen um ihre Spitze.

Das Pagodenfeld nahe Indein

Es war noch früh am Morgen und daher noch angenehm frisch. Der Himmel war tiefdunkelblau und um uns herum keine andere Menschenseele, die waren nämlich unten im Dörfchen auf dem Markt. In der Luft hin ein Geräusch, dass gerade zu verzaubernd war: 10.000 Glöckchen sangen mit dem leichten Wind ein Lied. Es war, als würde alles um mich herum versinken und ich hatte das Gefühl, ich wäre allein, aber nicht einsam auf der Welt. Traumhaft schön.

Diese Illusion zerbrach allerdings in dem Moment, als andere Touristen plappernd zu uns kamen. Wir machten uns also auf den Weg hinunter und kamen natürlich nicht an den Händlern vorbei, ohne dass ich eine grüne Umhängetasche gekauft habe. Praktisch ist sie. So habe ich Fotoapparat und Wasserflasche immer griffbereit und muss nicht umständlich die Sachen aus dem Rucksack holen, den Hasi als Kavalier trägt.

Wir fuhren mit den Booten weiter und erreichten die Phaung Daw U-Pagode des Dörfchens Ywa-ma am Westufer des Sees. In der Pagode waren 5 kleine Buddhafiguren, die aber nur als solche zu erkennen sind, wenn man es vorher im Reiseführer gelesen hat, oder man hat es gesagt bekommt.

Die unkenntlichen Buddha-Figuren

Also ganz ehrlich, sie sahen wie kaputte Fußbälle oder wie fast geschmolzene Schneemänner aus. Ihre Unförmigkeit verdanken die kleinen Figuren dem Blattgold, das als Glücksbringer auf sie gepappt wird. Auch hier durfte ich nicht näher heran und Hasi machte das Foto. Bis auf die Tatsachen, dass ich als Frau nicht in das Nirwana komme, sondern hoffen muss, als Mann wiedergeboren zu werden und dass ich diesen Goldklumpen nie nah genug kommen darf, bin ich ja grundsätzlich von der Religion des Buddhismus begeistert!

Gerade, als wir den Bereich der Pagode verlassen wollten, hörten wir vom Wasser her kommend, irrsinnig laute Musik. Ein vollkommen übersteuerter Kassettenrekorder quälte sich das Lied „Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen“ heraus. Neugierig blieben wir stehen und gingen zur Anlegestelle. Ein reich geschmücktes Boot wurde festgemacht und ein ca. 10 jähriges Kind, was auf dem großen Thron im Boot gesessen haben musste, ging an Land.

Was war das? Ein Prinz?? Heiko wollte nicht wieder zurück in die Pagode, aber ich musste doch meine Neugierde stillen.

Das Kind wurde zu den Buddhafiguren geführt und kniete dort zum Gebet nieder. Es war mit einem phantasievollen bunt bestickten Gewand bekleidet und sehr stark geschminkt. Ich konnte nicht erkennen, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt.

Das Ritual des Gebets wurde an allen vier Seiten der Figuren vollzogen. Währenddessen hatte ich die Gelegenheit, den Erklärungen eines englischsprechenden Burmesen zu lauschen. Was ich hier sah, war die Vorbereitung auf den Eintritt in ein Kloster. Die Eltern des Kindes müssen viel Geld für die Zeremonie zahlen. Dann wurde das Kind in den hinteren Bereich der Pagode geführt, lt. Erklärung des Burmesen erfolgte dort die Kopfrasur.

Die Tatsache, dass das Kind den Buddhas kein Blattgold aufgelegt hat, brachte mich zur Annahme, dass es sich um ein Mädchen gehandelt haben muss.

Wieder im Boot, begann unsere Shoppingtour zu den Werkstätten des Sees. Wir besuchten zuerst eine Weberei, hier bekam ich einen wunderschönen grünen Seidenschal, aber zuvor staunten wir noch über die Arbeitsbedingungen. Es waren neu errichtete Holzhäuser. Bei dem Letzten war zwar die Treppe in die erste Etage schon fertig und ein Teil der Bodenkonstruktion, es saßen auch schon junge Mädchen fleißig an Webstühlen – aber der Boden um die Treppe herum, der war noch nicht verlegt. Um also zu ihren Arbeitsplätzen in die erste Etage zu gelangen, müssen die Arbeiterinnen über dünne Holzplanken balancieren. Den Gedanke an die deutschen Gewerkschaften hatte bei diesem Anblick wohl jeder…..

Noch im Bau befindliche Weberei

Weiter ging es zum Schmied, hier wurde noch mit Manneskraft das Eisen über dem offenen Feuer geschmiedet. Dann zu der Zigarrenherstellung. Zehn Mädchen saßen im Halbdunklen auf dem Boden, vor sich jeweils eine Schale mit Blättern und drehten fingerfertig eine Zigarre nach der anderen.

Dem Bootsbauer konnten wir über die Schulter sehen, als er an einem Teakholzteil für sein nächstes Werk baute.

Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust auf diese Werkstätten-Tour, nachdem ich aber wieder im Boot saß, musste ich feststellen, es hat Spaß gemacht und war sehr interessant gewesen.

Nun fuhren wir mit unserem Boot durch das Gebiet der schwimmenden Gärten. Eine Sache, die ich im Reiseführer schon nachgelesen, aber nicht so richtig verstanden hatte: Wie kann ein Garten schwimmen?

Die Antwort ist so einfach, wie sie auch genial ist. Im Bereich des Seeufers wachsen viele wilde Wasserhyazinthen. Diese Blumen haben lange Wurzeln. Die Hyazinthen werden ausgegraben und in langen Reihen wieder angepflanzt, immer mit genügend Platz für ein Boot dazwischen den Reihen. Auf die Hyazinthenpflanzen, die so dicht wachsen, dass sie einen Teppich auf dem Wasser bilden, wird vorsichtig Schlick aufgeschüttet, der vorher aus dem Wasser gefischt wird. Diese Art „Erde“ wird mit Tomaten, Bohnen und anderem Gemüse bepflanzt. Als Halterung im Seeboden dienen auf der einen Seite die Wurzeln der Hyazinthen und zum anderen die Stöcke, an denen das Gemüse wächst.

Mitten auf dem See liegt das Kloster Nga Phe Kyaung, auch bekannt als „Kloster der springenden Katzen“. Das war unsere letzte Station auf unserer Seerundfahrt. In dem Teakholzkloster aalten sich bei unserer Ankunft die Kätzchen in der Sonne. Ein Mönch lockte sie mit Schnalzlauten an, zeigte ihnen einen kleinen Reif und hopp, eine nach der anderen sprang durch den Reifen. Als Belohnung bekamen sie ein Leckerchen.

Im Kloster der springenden Katzen

So was werde ich mit unserem Kater zu Hause auch trainieren, wenn wir zurückkommen, hat er bestimmt wieder die Figur einer Mehlraupe und da tut ihm ein bisschen Bewegung ganz gut.

Es war ein herrlicher Tag auf dem Wasser mit blauem Himmel und Sonnenschein, der seinen Abschluss in einem chinesischen Restaurant und den Absacker mit Bier und Erdbeerlassie in einem Straßencafé fand.

Inle-See 2


In Erwartung des Wandertages fiel das Aufstehen nicht schwer, mit Wanderschuhen bekleidet stampfte ich gerade die schmale Holzstiege herunter, als ich hörte: „Da kommen sie“.

Jeden Tag direkt nach Sonnenaufgang tapern 40 – 50 Mönche die Straßen entlang, gegen 7.00 Uhr kommen sie auch an unserem Hotel vorbei. Rechts und links von der Straße treten Frauen aus ihren Häusern und geben den Mönchen Reis in ihre Bettelschüsseln.

Wir also raus, um uns die tägliche Prozession anzusehen und natürlich um zu fotografieren.

Die allmorgendliche Prozession der Mönche

Um von dem Geschehen einen anderen Blickwinkel zu bekommen, huschte ich kurz durch die Mönche hindurch auf die andere Straßenseite. Prompt trat ich dabei auf einen Köter, der dösend oder noch schlafend am Straßenrand lag. Erschrocken sprang er auf und biss mich in den Fuß! Hätte ich nicht schon meine Wanderschuhe angehabt, wäre es wohl ein Fall für Nadel und Faden geworden. Aber, ein klasse Bild habe ich dennoch machen können.

Nach dem Frühstück gingen wir mit unserem Führer, Daniela, Huschhase und Erich los. Der Führer brachte uns zuerst zum Markt, damit wir dort das bunte Treiben beobachten konnten. Es gab alles, was das Herz begehrte: Blumen, Reis, Salz, Süßigkeiten, Benzin, Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse.

Buntes Treiben auf dem Marktplatz

Weiter ging es die Straße entlang und nach kurzer Zeit bogen wir in einen nicht mehr geteerten Weg ein. Wir stiegen einen Berg hinauf und erreichten eine Höhle. Hier leben zwei Eremitenmönche mit ihren beiden Katzen, sie luden uns zum Tee ein und wir plauderten ein bisschen.

Der freundliche Einsiedler mit Katze

Es ging den Berg wieder runter und den nächsten wieder hinauf und wieder in eine Höhle hinein. Durch diese Höhle konnten wir laufen und sahen in kleinen Nischen liebevoll mit Blumen geschmückten Buddha Staturen stehen und Ausgang war dann noch ein großer liegender Buddha zu bestaunen.

Am nächsten Berganstieg kamen uns zwei Kinder entgegen. Himmel, was waren die schmutzig. Zu denen konnte wirklich gesagt werden „starren vor Schmutz“, der größere der beiden hatte auch noch eine Rotznase, die auch herrlich mit viel Straßenstaub markiert war. Nun ging bei mir die Knipserei los: Jedes kleine Straßenkind wurde abgelichtet. Einen Heidenspaß hatten die Kiddis, als ich ihnen anschließend die Bilder in der Kamera gezeigt habe.

Nach einer weiteren Teepause und einem weiteren Stopp, wo es auch was zu Essen gab, gingen wir wieder in Richtung Stadt. Kurz bevor wir auf geteerte Straßen stießen, kamen uns zwei ca. 7jährige Kinder entgegen. Sie schoben einen selbstgebastelten Holzschubkarren mit krummen, nicht unbedingt runden Rädern. Uns wurde erklärt, dass die Kinder mit dem unhandlichen Wagen morgens den Berg runter in die Stadt fahren, um dort Brennholz zu verkaufen und wenn sie alles los geworden sind, dann dürfen sie wieder nach Hause kommen.

Direkt nach den 7jährigen ächzte ein ungefähr 4jähriger Junge mit seiner Schubkarre den Berg hoch. Er war bis zu den Haarwurzeln dreckig, seine Hose war zerrissen und so wie es aussah, auch seine Karre nicht mehr so ganz in Ordnung. Dicke Tränen rollten ihm über die Wangen und ich meinte, noch nie ein kleines Kind dermaßen schwitzen gesehen zu haben.

Das schwer arbeitende Kind

Erschöpft von der Wanderung, wurde im Hotel angekommen erst einmal bis 15.00 Uhr Siesta eingelegt und den restlichen Teil des Tages verbrachten wir gemütlich.

Wir schlenderten durchs Dörfchen, waren im Internet, wir kauften ein weiteres Souvenir – diesmal ein altes Tatoo – Gerät, selbstverständlich gab es auch ein Sonnenuntergangsbier und in dem Laden neben unserem Hotel lecker Essen. Hier wurde prima Caipi für 1 € gemischt.

Fahrt nach Kalaw


Eigentlich wollten wir heute erst um 8.00 Uhr losfahren, aber einige hatten sich noch die Mönchsprozession ansehen wollen und waren früh auf den Beinen. Hasi hat die Prozession heute auch noch einmal beobachten können: Beim Duschen – der Blick aus dem Badezimmerfenster ging in genau die richtige Richtung. Mit dem Frühstücken waren alle schnell fertig, irgendwie reizt uns Toast, Erdbeermarmelade und Ei nicht mehr so sehr. Es ging auf jeden Fall um 7.40 Uhr schon los.

Bereits nach 15 min wurde der erste Foto-Stopp gemacht. Wir waren am Shwe Yaunghwe-Kloster angekommen. Lt. Loose sind die jungen Mönche hinter den ovalen Teakholzfenstern ein klassisches Fotomotiv. Noch während ich überlegte, wie ich es anstelle, im Kloster kleine Mönche so zu becircen, dass sie aus dem Fenster sehen und gleichzeitig von außen Fotos zu machen, lugten die Jungs schon aus den Fenstern. Neugierde macht eben keinen Halt vor anderen Nationalitäten.

Kleine Mönche im Shwe Yaunghwe Kloster

Dann ging es mit einer kurzen Kaffee/Tee-Pause zu den Pindaya Höhlen. Nach einem alten Märchen sollen im See von Pindaya 4 Prinzessinnen gebadet haben, als sie von einer Riesenspinne gefangengenommen und in die Höhle geschleppt wurden. Nur ein Prinz konnte die Spinne mit einem Pfeil töten. Die vier Frauen waren gerettet und als Dank durfte er die schönste von ihnen heiraten. Hach, ist das romantisch!

Während ich mit schmachtenden Augen Hasi die Geschichte erzählte, schüttelte er nur den Kopf: „Weiberkram“ und zog sich die Schuhe aus, denn auch hier durften wir nur barfuss hinein.

Was mich in der Höhle erwartete, überstieg komplett meine Vorstellungskraft. Ich hatte gelesen, dass sich in der Höhle und in dem anschließenden verzweigten Labyrinth viele Buddha Statuen stehen sollen. Aber so viele?

Es sollten lt. Info am Eingang der Höhle über 9.000 sein. Es waren alle Größen vertreten. Von Wasserflaschengröße über Menschengröße hin zu Ein-Familien-Haus Größe. Die meisten waren mit goldener Farbe bemalt – einfach unbeschreiblich. Vereinzelt waren Strahler aufgestellt, die die Höhle in mystisches Licht tauchten.

Stumm vor Staunen und geradezu ehrfurchtsvoll ging ich mit Hasi durch die künstlich angelegten engen Zwischenräume der einzelnen Buddhas.

Buddhafiguren in den Pindaya-Höhlen

Ebenso stumm und überwältigt von dem, was wir gerade gesehen haben, saßen wir nach der Besichtigung noch bei einem Straßenhändler, tranken einen Tee und aßen ein Stück Kuchen, bevor es Zeit zum Weiterfahren war.

Der nächste Halt war bei einem Schirmhersteller. Als Hasi erfuhr, dass die aus Papier und Rattan hergestellten Schirme nur 1,50 € kosten sollten, gab es auch einen für uns, damit werde ich wohl den Wintergarten dekorieren. Problem bei der Weiterfahrt war jetzt die fehlende Ablage über dem Kopf, ich hielt also den Schirm für den Rest der Fahrt zwischen meinen Beinen fest. Das hinderte mich natürlich nicht daran, hin und wieder ein kleines Schläfchen zu machen.

Nach weiteren 2 Stunden Busfahrt erreichten wir die Stadt Kalaw und das Hotel New Shine, das uns für 2 Nächte aufnehmen wird.

Direkt nach dem Einchecken bin ich mit Hasi los, wir mussten uns mit Keksen und Wasser eindecken, das obligatorische Sonnenuntergangsbierchen gab es auch und ein Restaurant, wo wir heute Abend essen werden, hatten wir auch gefunden. Es wird nepalesische Kost geben.

Als wir am Abend das Restaurant erreichten, saßen O. und E. schon dort. Wir gesellen uns zu ihnen und kurze Zeit später kam Ronald mit seiner Gefolgsschar dazu.

Meine Güte, was habe ich heute Abend gelacht! Das gesamte Lokal, in dem noch 6 andere Gäste saßen, lachte einschließlich der Bedienung mit. Es war eine absolut ausgelassene Stimmung, zu der das ausgezeichnete Essen garantiert beigetragen hat. Die Qualität könnte man schon anzweifeln, wenn man den Preis von 1,80 € für beide Essen mit Vorspeise hört, dafür hat das Bier insgesamt 3 € gekostet, wir haben also richtig geprasst.

Jetzt ist es 20.30 Uhr. Ich werde meinen „Gute-Nacht-Rum“ noch trinken, etwas lesen und dann meine Nachtruhe antreten, die nach diesem herrlichen – aber auch anstrengenden – Tag wohlverdient ist.

Kalaw

„Das Wandern ist des Müllers Lust“. Der zweite Trekking Tag begann.

Um 8.00 Uhr fuhren wir mit dem Bus ca. 3 km weit zu einer Stelle, wo der Trekking Pfad rund um Kalaw startet.

Zuerst stiegen wir auf schmalen Wegen hinab in ein Tal und wanderten auf einer Ebene an Orangenbaumplantagen vorbei. Nach einer Stunde schien die Sonne bereits verdammt heiß vom Himmel und uns wurde klar, dass das kein Spaziergang der herkömmlichen Art werden wird. Eine Abkürzung nehmend, damit wir vor Beginn der Mittagshitze wieder im Hotel sind, stiegen wir wie Bergziegen einen Hügel hinauf. Jetzt rann Schweiß in Strömen. Oben angekommen, ging es aber gemütlich weiter. Der Weg war staubig. Bald waren alle Beine samt Schuhe, Socken und Hosen mit einer roten Schicht Sand bedeckt.

Der staubige Weg zum Kloster

Nach einer erneuten Steigung erreichten wir ein Nonnenkloster und nahmen dankbar Tee und frische Papayas an. In einem Teil des Klosters wurden an dem heutigen Tag Frauen der umliegenden Dörfer in chinesischer Medizin unterrichtet. Da alle ihre kleinen rotznasigen Kinder mitgebracht haben, war nach der kleinen Erholungsphase, die ich doch brauchte, wieder Gelegenheit für Kinder-Bilder.

Eins der besagten Kinderbilder

Nachdem wir uns noch ein Langhaus angesehen hatten, ruhten wir uns etwas im Schatten aus. Die Kinder gesellten sich zu uns und besonders ein kleines Mädchen schien Hasi und mich ins Herz geschlossen zu haben. Ein Stoffteddy war noch im Rucksack, die anderen sind bei der letzten Wanderung an die Dorfälteste gegeben worden, damit sie dann eine gerechte Verteilung vornehmen kann. Aber was mache ich mit den anderen 10 Kindern, die neugierig um uns herumstanden, wenn ich der Kleinen einen Teddy gebe? Mit Bonbons werde ich sie nicht abspeisen können. Schade, aber da hat meine kleine Freundin, deren Ohrringe im Übrigen aus Bindfäden bestanden, leider Pech gehabt.

Ein kleines Kind – keine Ahnung ob Mädchen oder Junge – versuchte in das Langhaus hinein zu kommen. Das Haus war auf Stelzen gebaut und daher der Eintritt für die kleine Person sehr beschwerlich. Sie beugte sich mit dem Oberkörper auf die erste Stufe, schaffte es aber nicht, die Beine nach zu ziehen. Während dieser Aktion rutschte auch die Hose runter, so dass ein kleiner dreckiger Hintern zu sehen war. „Nu helf´ doch schon“. Mit diesen Worten wurde Dirch aufgefordert, das Kind auf die Stufe zu heben. Zuerst wusste er nicht, wie und wo er anpacken sollte und als das Kind dann auf der ersten Stufe lag, wurde Dirch auch noch aufgefordert: “ Nu zieh et auch ma wieder an“. Mit spitzen Daumen und Zeigefinger zog Dirch die runtergerutschte Buxe hoch und hatte seit dem auch seinen zweiten Namen „Diplompäderast“ weg. Wir hatten auf seine Kosten unseren Spaß und auch die Kinder erfreuten sich an dem Gegröle.

Ein kleiner Arbeiter

Weiter ging es. Der letzte Rest der Wegstrecke stieg wieder steil an. Es war kurz nach 12.00 Uhr, kein Schatten in Sicht und die Sonne grillte uns erbarmungslos. Zum Glück hatten wir genügend Wasser dabei. Als wir gegen 13.00 Uhr am Hotel ankamen, wurden wir schon mit Tee, feuchten Tüchern und Bonbons erwartet. Die Leute sind hier einfach nur niedlich. Gebäck war anscheinend grad keins da, dann eben Bonbons, Hauptsache süß.

Im Außenbereich wurden Tische und Stühle aufgestellt und als Belohnung für die anstrengende, aber auch schöne Wanderung gab es ein leckeres Bierchen. Das hat vielleicht gezischt und geschmeckt.

Jetzt war Zeit für Siesta. Nach dem Duschen ging es ins Bettchen, dann las ich noch was und um 18.00 Uhr suchten wir das Everest-Restaurant von gestern wieder auf.

Auf dem Weg dorthin sahen wir uns Aquarelle an. Der Laden, in dem sie ausgestellt waren, hieß „Art Gallery“. Ein sehr hochtrabender Name für einen Raum von der Größe einer halben Garage. Ein Bild hatte es uns besonders angetan: Ein junger Mönch, der vor einem langen Säulengang sitzt und liest. 20 $ sollte das Bild kosten und runterhandeln ging auch nicht mehr.

Das mussten wir uns noch überlegen.

Logischerweise sind wir nach dem Essen, dass wie gestern auch super lecker war, wieder zur Art Gallery und haben das Bild gekauft. So langsam aber sicher wächst der Souvenirstapel an.

Fahrt nach Bagan

Brutal!! Um 4.40 Uhr klingelt der Wecker. Schlaftrunken taperte ich als erste ins Bad, aber beim Frühstück gegen 5.30 Uhr lachten wir schon mit den Anderen über unseren Dirch.

Pünktlich um 6.00 Uhr ging die Fahrt nach Bagan los. Nach einer Stunde knallte es laut unter unserem Bus. Wir hielten an und die Diagnose, die sich später bestätigen sollte lautete: Bruch der rechten Blattfeder. Im Klartext hieß das: Wir konnten nicht mehr so schnell fahren (obwohl, schnell ist dieser Bus noch nie gefahren) und müssen insbesondere Rechtskurven langsam nehmen.

Relativ gelassen nahmen alle Mitreisenden diese Mitteilung hin. Zu diesem Zeitpunkt ahnte auch keiner, dass „nicht mehr so schnell“ 2 Stunden längere Fahrtzeit bedeuten würde.

Der erste Kaffeestopp war an einer langweiligen Kaffeebude, wo ich zuerst mit Hasi alleine saß, dann kamen zögerlich unsere „Kinder“ Susan und Erich mit an unseren Tisch und zum Schluss sahen die Anderen neidisch zu uns herüber, weil wir den meisten Spaß hatten.

Der zweite Stopp war an einem herrlichen See gelegen und der dritte Stopp war dann endlich der Mount Popa.

Mount Popa im Dunst

Es war heiß, ich hatte Durst, musste Pipi und wollte auf diesen Berg rauf.

Also eins nach dem anderen: Wasser gegen den Durst, schwitzen gegen die Hitze und zwar viel, denn die Klos stanken so erbärmlich, dass ich eher hätte brechen können als pinkeln.

777 Stufen lagen vor uns, nur 30 davon entsprachen in etwa den gängigen EU-Normen für öffentliche Treppen.

Treppenstufen ohne EU-Zulassung

Ich schwitzte, ich keuchte, ich hatte Seitenstiche und ….. ich war oben!! Beim Mt. Popa ist der Weg das Ziel, zumindestens bei diesem diesigen Wetter, das wir hatten. Bei klarerer Sicht wäre ein klasse Rundumblick möglich gewesen, also beschränkten sich die gemachten Fotos auf die von den herrlichen Nats, den Geistern Birmas. Jeder wird hier seinen eigenen Geist unter den insgesamt 37 Nats finden. Vom Alkoholiker bis zum Zahnarzt war alles vertreten.

Dann ging es wieder in den Bus, um die beiden letzten Stunden Fahrt hinter uns zu bringen. Vereinzelt sahen wir Ochsenkarren mit einem etwa 100 Liter Holzfass als Ladung. Die Karren, die immer mehr wurden, schienen ein bestimmtes Ziel zu haben. Dann sahen wir Frauen und Mädchen, fein herausgeputzt mit Blumen im Haar und zwei Metallkübel mit einer Holzstange tragend, in die gleiche Richtung laufen. Ein Brunnen: Das war des Rätsels Lösung.

Ochsenkarren warten auf die Betankung mit Wasser

Wir hielten an und sahen staunend der Prozedur zu. Der Brunnen, lt. Aufschrift von der UNESCO finanziert, ist hier die einzige Wasserquelle während der 5monatigen Trockenzeit. Aus einem Umkreis von mehreren Kilometern kamen Leute und reihten sich brav in eine Schlange. Ochsengespann stand an Ochsengespann und sie füllten Wasser in die mitgebrachten Holzfässer. Die Frauen und Mädchen füllten das Wasser in ihre beiden Blechkanister und balancierten sie auf den Schultern tragend nach Hause. Es war beeindruckend und auch ernüchternd. Wir drehen, ohne darüber nachzudenken, im Hotel das Wasser zum Duschen auf und beschweren uns auch noch, wenn der Wasserdruck nicht stark genug ist und hier wird das Wasser für die Menschen und auch für die Tiere noch täglich geholt.

Auch die Wasserträgerinnen müssen warten

Der letzte Stopp vor Ankunft im Hotel war ein Palmzucker Hersteller. Hier kaufte ich gleich ein paar Bastkörbchen gefüllt mit den Leckereien als Mittebringe ein. Das Essen nahmen wir am Abend in einem Lokal in einer lustigen Runde ein. Wir zahlten 4 Euro fürs Bier und 2,60 Euro fürs Essen. Satt und müde lagen wir recht früh im Bett, denn morgen geht es wieder mit den Hühnern aus den Federn. Zum Sonnenaufgang.

Bagan – Pagodentour

Ich weiß nicht, ob ich jemals in einem Urlaub so oft so früh aufgestanden bin. Mit den ersten Strahlen der Sonne wollten wir Bagan und seine über 2.200 Tempel, Pagoden und Stupas erleben, also ging es um 5.45 Uhr mit dem Bus zur Mingalazedi, der „glücksbringenden Pagode“. Leider war es wieder etwas diesig, ich hoffe aber doch, dass ein paar Bilder gut gelungen sind.

Pagoden im Morgenlicht

Zurück im Hotel hatte ich Hunger und es gab ausnahmsweise nicht Toast, Eier, Erdbeermarmelade, sondern eine leckere Nudelsuppe.

Gut gestärkt nahmen wir uns nach dem Frühstück eine der vor dem Hotel wartenden Pferdekutschen und brachen auf, Bagan zu erobern.

Hasi nahm neben dem Pferdekutschenfahrer Platz, während ich mich gemütlich in die Kissen lümmeln konnte. Dann ging es los!

Unser Fortbewegungsmittel in Bagan

Vier Stunden später kannten wir 11 Pagoden mehr und waren restlos begeistert von Bagan und vor allem auch von der Art unserer Fortbewegung. Die Alternative zur Kutsche wären zu Fuß (zu heiß) und zu Rad (auch zu heiß) gewesen. Die Auflistung der einzelnen Bauwerke mit ihren Namen will ich mir hier sparen, ich habe sie nur festgehalten, damit ich im Fotoalbum alles richtig benennen kann.

Weitere Pagoden auf der Mittagstour

Die Pagoden, die teilweise aus dem 12. Jahrhundert stammen, waren erstaunlich gut erhalten, teilweise konnten wir auch wunderbare  Wandmalereien aus dieser Zeit bestaunen.

Mittagspause! Es ist jetzt 12.00 Uhr, die Sonne steht wie ein Feuerball am Himmel und die Böden der Pagoden, die natürlich barfuss betreten werden müssen, kochen. So verabschieden wir uns von unserem Pferdekutscher und erwarten ihn in 3 Stunden zurück.

Wir gehen jetzt erst einmal eine Runde im Pool schwimmen, das merkwürdigerweise eiskalte Wasser erfrischt herrlich. Dann las Hasi noch ein wenig und ich schrieb die Pagodenauflistung fürs Album. Gegen halb zwei rief das Bettchen – Siesta.

Pünktlich stand unser Boy samt Pferdchen und Kutsche um 15.00 Uhr vor unserem Hotel und wir starteten in die zweite Runde.

An vielen Pagoden hatten Händler ihre Waren aufgebaut. Teilweise war es  Schund, aber auch schöne Sachen, wie z.B. Bücher, Opiumgewichte und Lackarbeiten. Im Schatten einer Pagode, es waren mittlerweile schon 16 und ich kann nicht mehr sagen, an welcher es war, hatte ein Maler seine Werke ausgebreitet. Wir ließen uns seine auf Leinen gemalten Bilder zeigen und kauften dann das Bild „Fußabdruck Buddha“ mit den Stationen seiner 108 Leben. Das Bild ist etwas größer als DIN A3, wir zahlten 3.000 Kiat, was 3 € entspricht, dafür. Dies war auch die Summe, die uns vom Maler genannt wurde. Theoretisch hätten wir handeln müssen, wir ließen es aber – wir wären uns schäbig dabei vorgekommen.

Diese Händlerin macht gerade Pause – oder lebt von den Einnahmen für die Fotos

Feierabend mit der Kutschfahrt ist gegen 17.00 Uhr. Der Junge bekam seine heute Morgen abgesprochenen 7.000 Kiat (7 €) plus einen Euro dafür, dass er uns nicht in eine der vielen Lackwerkstätten geschleppt hat.

Für morgen haben wir grob einen Marktbesuch und noch zwei drei Tempelchen geplant. Der Fußweg zum Markt beträgt ca. 45 Minuten, wir werden aber langsam bequem und außerdem wird es morgen nicht kühler als heute werden, daher bestellten wir den Jungen für morgen früh wieder.

Am Abend saßen wir in dem gleichen Restaurant wie gestern. Es gab das beste süß-saure Hähnchen, was ich jemals gegessen hatte und ein lustiger Abend mit viel Bier und Whiskey wurde es auch, der uns insgesamt 7,90 € kostete.