SARS

Oje, die Nachrichten über die neue Form der Lungenentzündung (SARS) nehmen bedrohliche Formen für uns Urlauber an. Nach den Hinweisen der WHO sollen Urlauber in Singapur einen leichten Mundschutz tragen. Die deutsche Botschaft in Jakarta teilt auf ihrer Internetseite mit, dass manche Fluglinien Passagiere nicht mehr befördern, wenn sie bereits leichte Anzeichen eines Schnupfens haben und auf den Flughäfen gehe es dann ohne wenn und aber in Quarantäne.

Auf eine indonesische Quarantänestation habe ich ja nun überhaupt keine Lust und beim Tragen eines Mundschutzes beschlägt mir immer die Brille.
Zwar habe ich nicht vor, mir eine Erkältung im Urlaub zu zulegen, aber weiß man es??

Auf jeden Fall hat Heiko uns für den 07.04.2003 einen Termin bei unserem Gesundheitsamt geholt. Neben den Auskünften zur Malariaprophylaxe, werden wir uns dann einmal genaue Information über SARS geben lassen.

Auch Gudrun fragte auch schon per Mail an, ob wir uns Gedanken über den Zwischenstopp Singapur machen müssten. Mit ihr bin ich so verblieben, dass wir den Termin beim Gesundheitsamt abwarten und dann entscheiden, was wir machen werden.
Falls Singapur nicht stattfinden sollte und davon ist im Moment auszugehen, tut mir vor allem Lutz leid. Der Gute ist schon Feuer und Flamme, hat die Stadt schon im Geiste erobert und wird heftig enttäuscht sein ….. und …. die arme Frau Sippel, sie wird den Tag verfluchen, an dem sie uns auf der Messe kennen gelernt hat! Zu Hause werde ich auf jeden Fall einmal unseren Altlas befragen, ob evtl. ein anderer Zwischenstopp in Frage kommt.

Der planmäßige Zwischenstopp ist, eher unfreiwillig wg. Zwischenlandung zum Auftanken, eine Stadt mitten in Saudi-Arabien. Aufgrund der angespannten Lage in dieser Region werden wir wohl froh sein, wenn die Tanks wieder gefüllt und wir auf dem Weiterflug sind und wir keine Übernachtung dort haben.

Am 07.04.03 hatten wir dann die Beratung in unserem Gesundheitsamt.
Besondere Impfungen brauchen wir nicht mehr, die vorhanden sind noch ausreichend. Zu Thema Malaria haben wir erfahren, dass nur in Sumatra eine Ansteckungsgefahr bestehen würde und die anderen Insel bedenkenlos ohne Prophylaxe bereist werden können. Na ja, Heiko, der Mückenmagnet, wird Lariam wohl die ganze Zeit über nehmen und noch 4 Wochen nach Ende des Urlaubs. Für mich wird das Ende der Larinameinnahme mit dem Abflug von Sumatra beginnen.
Interessant fand ich den Rat der Ärztin, dass man auf Sumatra immer geschlossenen Schuhe tragen solle, auch in den Hotelzimmern. Sie wusste von Leuten zu berichten, die in ihren Hotelzimmern von Vipern gebissen wurden. Gut, dass ich schon leichte Trekkingschuhe erworben habe, für Heiko müssen wir dann noch auf die Pirsch gehen.

Zu der Lungenseuche angesprochen, meinte die Ärztin, dass die Krankheit im Moment sehr hochgespielt würde. Erst auf konkretes Befragen, ob sie denn nach Singapur fliegen würde, antwortete sie mit einem klaren „nein, um Gottes Willen, wo denken Sie hin?“.
Folgenden Tipp hat sie uns aber noch augenzwinkernd mit auf den Weg gegeben: Das beste Mittel gegen einen verdorbenen Magen oder Durchfall wäre ein Schluck Whiskey, der vor jedem Essen getrunken wird.

Wieder zurück im Büro mailte ich den Inhalt des Gespräches kurz Gudrun, wir knicken Singapur jetzt wohl und bleiben 3 Tage länger auf Lombok.

Hatte ich wirklich gedacht, dass die Planung unserer kleinen 4 Personengruppe einfach sei?
Gudrun mailte mir am 09.04., dass nach Informationen von Frau Sippel, die in der Zwischenzeit – wer kann es ihr verübeln? – leicht angenervt scheint, auch eine kurzfristige Umbuchung vor Ort möglich sei.
Im Klartext heißt dass: Gudrun und Lutz halten an dem ursprünglichen Reiseverlauf fest und wollen die letzten 3 Tage in Singapur verbringen und entscheiden erst kurz vor Ende des Urlaubs, ob sie das Rückflugticket umbuchen.

Das ist mir viel zu durcheinander. Flexibilität und spontane Entscheidungen hin und her, aber nicht mit Unbekannten wie Garuda etc.
Tausend Fragen ziehen mir durch den Kopf: Was ist mit einer evtl. Verlängerung des Hotels auf Lombok; was mit der Umbuchung der Unterkunft auf Bali; was ist, wenn es keinen „passenden“ Rückflug gibt und sich die Flugzeit wegen diverser Zwischenstopps von 13 auf 20 und mehr Stunden erhöht? Internet Reiseberichten zufolge, ist das gerade bei Garuda nicht ausgeschlossen.
Heute Abend wird auf jeden Fall der Vogtsche Krisenstab tagen. Letztendlich hat Heiko ja die Entscheidungsgewalt über den Urlaub 2003. Es kann also spannend werden ……………

Nach kurzer (!!!) Diskussion kamen wir dann am Abend zu dem Ergebnis, dass wir die Entwicklung von SARS bis Ende April/Anfang Mai im Auge behalten wollen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die Krankheit von Kakerlaken übertragen wird, ist ein Ende der Ausbreitung eh nicht abzusehen und wir werden bereits von Deutschland aus umbuchen.
Wenn ich bedenke, dass Djoser 4 Anläufe gebraucht hat, um die rail + fly Tickets von der Rechnung zu stornieren, könnten 3,5 Wochen für eine Umbuchung knapp werden.

Das nicht nur ich verrückte Träume habe, sondern auch Gudrun, bewies die Mail, die sie mir am 14.04.03 ins Büro schickte. Gudrun träumte, dass wir uns in Sumatra für ein Vier-Bett-Zimmer entschieden hätten. Während abwechselnd immer einer Wache schiebt und nach Schlangen Ausschau hält, liegen die anderen drei nackt, nur mit Wanderschuhen bekleidet, im Bett.
Da werden wir im Urlaub bei der ersten Zimmerverteilung wieder unseren Spaß haben und spätestens dann werden uns die anderen Mitreisenden für ein bisschen bekloppt halten.

Über Ostern habe ich, bei herrlichem Wetter im Garten liegend, das Buch von Vicky Baum „Liebe und Tod auf Bali“ geradezu verschlungen. Und jetzt befällt mich eine leichte Unruhe, die man auch „Reisefieber“ nennen kann.
In genau 33 Tagen (22 Arbeitstagen) sitzen wir hoffentlich schon im Flieger und düsem unserem nächsten Abenteuer entgegen.
Eingebunden in Nicolas Ostergrüße war die Mitteilung, dass Indonesien ein wundervolles Land sei und es uns dort garantiert gut gefallen wird. Ach, könnte nicht schon morgen der 25.05.03 sein?

Um 20.03 Uhr kam am Sonntag, dem 27.04.03 der Anruf von Gudrun, dass sie und Lutz nicht nach Indonesien fliegen werden.
Heiko nahm das Gespräch entgegen, so bekam ich nur Bruchstücke mit. Nach Ende des Telefonates klärte er mich auf: Im Flughafen von Jakarta waren 2 Bomben explodiert. Dadurch geradezu panisch beunruhigt, wollen R.s die Reise nicht mehr antreten. Bislang hatten wir noch nichts davon gehört, daher machte Heiko mit den beiden aus, dass wir uns erst einmal im Internet erkundigen und am Montagabend wieder telefonieren werden.

Weder auf den Seiten des Auswärtigen Amtes noch auf denen des deutschen Botschafters in Jakarta war etwas über die Anschläge zu lesen.
Nur im indonesischen Internetforum stand etwas. Am Donnerstag der vergangenen Woche explodierte eine Bombe in der Innenstadt von Jakarta und eine zweite am Wochenende in einem amerikanischen Schnellrestaurant im Flughafen Jakartas. Beim ersten Anschlag wurde niemand verletzt, beim zweiten immer hin 11 Personen.

Da Heiko und mir die Entwicklung von SARS viel mehr Gedanken bereitet, als zwei Bömbchen und damit für uns nur der Zwischenstopp in Singapur auf dem Spiel steht, war für uns recht schnell klar, dass wir beide auf jeden Fall fliegen werden.
So werden wir es auch heute Abend Gudrun und Lutz am Telefon sagen. Ob die beiden mitkommen werden? In ein paar Stunden bin ich schlauer.

Abends klärte sich dann die Lage zum Wohlgefallen aller auf.
Lutz und Gudrun waren nur erschrocken, da NTV heftige Bilder zeigte und da muss wohl eine mehr oder weniger schwere Panik bei den Beiden ausgebrochen sein.
Auf jeden Fall haben sie noch eine Nacht darüber geschlafen und fliegen nun doch mit. Nach dem Motto „alles wird gut“, habe ich ihnen viel Spaß für ihren kurzen Trip nach Rom gewünscht. In knapp vier Wochen sind wir bereits gemeinsam unterwegs!

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