Shwedagon

Um 4.45 Uhr klingelte der Wecker, eine wahrhaft unchristliche Zeit.
Gesten Abend hatten wir beim Essen mit Daniela, Angelika und Jupp verabredet, zusammen zum Sonnenaufgang zur Shwedagon Pagode zu fahren. Als wir um 5.45 ins Foyer kamen, saß Jupp bereits dort. Eigentlich war er ganz nett, bereits gestern hatte es uns gestört, dass sich alle siezten. Seinen Nachnamen wussten wir nicht, also wurde alles, was wie eine persönliche Anrede klingen konnte, ausgelassen.

Ein paar Minuten später waren wir insgesamt 8 Personen. Mit 2 Taxen fuhren wir zur Pagode.
Dort angekommen, fing die Tagesdämmerung gerade an. Mit unseren beiden Mitfahrerinnen vereinbarten wir, dass wir uns um 8.00 Uhr am Osteingang wieder treffen, um gemeinsam zurück zum Hotel zu fahren.

Uralt soll sie sein, „mit Tonnen von Gold und tausenden Edelsteinen geschmückt, ein erhabener Ort der Ruhe, Besinnung und Meditation“, so ist die Pagode in unserem Reiseführer beschrieben.
Was wir allerdings in den 2 Stunden des Sonnenaufgangs erlebt haben, hat alle meine Erwartungen bei weitem übertroffen:
Die Pagode, die mit 60 Tonnen Gold verkleidet ist, erstrahlte im aufgehenden Sonnenlicht, so dass gut nach zu vollziehen war, warum sie zu den wichtigsten Stätten der Buddhisten zählt. Fast könnte man meinen, von ihr ginge ein mystisches Leuten aus. Die Kuppel glänzte vor dem tiefblauen Himmel und ich habe mind. alle 5 Minuten ein Bild gemacht, so begeistert war ich.

Eindrücke der Shwedagon-Pagode

Mit zunehmendem Tageslicht erhöhte sich die Zahl der Besucher.
Touristen habe ich außer uns acht aber keine gesehen. Überall auf der fast 60.000 m² großen mit weißem Marmor gepflasterte Plattform verteilt saßen Gläubige und beteten oder meditierten. Den unzähligen Buddhafiguren wurden Gaben in Form von Blumen, kleinen Schirmchen und Räucherstäbchen gebracht. Eine Truppe von 5 Frauen fegte die Plattform und hatte damit ihre „gute Tat“ für diesen Tag erledigt.

Frauen bei der Fegearbeit

Langsam umrundeten wir die Hauptpagode mit ihren fast 100 Nebenpagoden und ich versuchte die Spitze mit über 5.500 Diamanten und noch mehr Saphiren und Rubinen bestückten, der noch ein 76-karätiger Diamant aufgesetzt wurde, aufs Foto zu bekommen.

Eindrücke der Shwedagon-Pagode

Am Anfang unseres Rundganges lasen wir uns noch im Reiseführer durch, welchen Schrein für welchen Wochentag wir gerade sehen, es wurde uns dann aber zu viel, daher ließen wir das Buch im Rücksack und genossen ohne genaues Wissen unsere kleine Wanderung.

Beeindruckend war auch der Wunscherfüllungsplatz. Da saßen die Burmesen und Burmesinnen andächtig mit aneinander gefalteten Händen, sahen auf die Spitze der Pagode und beteten, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht. Um sicher zu sein, dass es auch wie geplant klappte, bekam der Schrein des Wochentages, an dem man geboren war noch ein paar Blüten.

Gläubige Burmesen am Wunscherfüllungsplatz

Geradezu erschlagen von den Eindrücken fuhren wir zurück zum Hotel und ließen uns ein gutes Frühstück schmecken. Mit einem Teil der Gruppe waren wir dann schon per „Du“ und hoffen, mit den Namen nicht durcheinander zu kommen.

Gut gestärkt ging es dann los, die Stadt weiter zu erkunden. Zuerst noch einmal zum Markt. Das Bild mit den drei Mönchen habe ich dann doch nicht gekauft, denn wir sind am letzten Tag wieder in Yangon und sollten ich bis zu diesem Zeitpunkt kein anderes Bild gefunden haben, kaufen wir es eben am Ende unseres Urlaubes.
Dann versuchten wir unser Glück im Internet Café. Die Verbindung kostete uns 1 Euro für 1 Stunde und mindestens 20 graue Haare mehr. Es ging so langsam vorwärts, man könnte meinen, ganz Myanmar hängt an einer Leitung. Alleine 25 Minuten brauchten wir, um uns überhaupt einloggen zu können. So werden die Mails an die Heimat kurz und knapp werden.
Clifford bekam noch per Mail die Order unsere Rückflüge zu bestätigen, denn ein Emirates Büro gibt es hier nicht und die Internetverbindung nach Dubai kann nicht aufgebaut werden.

Uff, das war erledigt, wir setzten unseren Stadtbummel fort: die Suhle Pagode mittig auf einer Kreisverkehrinsel errichtet, das Unabhängigkeitsdenkmal im Maha Bandoon Garden und den allerdings wenig beeindruckenden Hafen. Zwischendurch machten wir Pause in den kleinen Straßenläden und tranken Tee und Wasser. Nach gut drei Stunden, es war mittlerweile Mittag, waren wir für eine Siesta bis 14.30 Uhr wieder im Hotel.

Die Sule Pagode, mitten im Kreisverkehr

Kurz bevor wir einschliefen gab es noch eine kostenlose Einführung in die Marktwirtschaft von Myanmar, d.h. mir wurde mit lebenden Beispielen erklärt, warum in diesem Land kaum einer arbeitslos ist:
Es klopfte. Ich machte die Tür auf und sah drei Männer in der Uniform des Hotels gekleidet. Der erste hielt einen Block und einen Stift in den Händen, auf dem Block standen Zimmernummern und hinter einigen waren auch Haken gemacht. (Aha, so dachte ich mir, hier wird was kontrolliert). Der zweite gab mir ein Stückchen Seife in der Form der hotelüblichen abgepackten Größe (brav machte er es mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung, ein bisschen Demut schadet eben nicht), der dritte hielt wieder einen Block und einen Stift in den Händen, auf dem Block standen Zimmernummern und auch waren hinter einigen auch Haken gemacht (noch ein Kontrolleur).

Meine persönliche Erklärung: Der erste hakte die Zimmernummern ab, bei denen geklingelt wurde, der zweite konnte nicht lesen und schreiben, bekam daher keinen Hakenjob und der dritte hakte die Zimmernummern ab, deren Türen sich geöffnet haben und Seifenstücke abgeben wurde. Schmunzelnd über diese Einlage schlief ich ein.

Um 15.00 Uhr traf sich die gesamte Gruppe (mein Gott, was sind wir viele), um mit dem Bus die weiter entfernt liegenden Sehenswürdigkeiten Yangons zu erkunden.

Die erste Station war die Botatung Pagode. Durch einen verwinkelten und verspiegelten Gang kamen wir zum heiligen Schrein der Pagode. Hier soll ein Haar Buddhas liegen. Vor dem Schrein befindet sich – nicht zugänglich hinter einem festen Drahtzaun – eine Schale. Die Gläubigen versuchen, in diese Schale Geldscheine zu werfen und wem es gelingt, hat für die nächste Zeit Glück, bzw. es kann nichts Schlimmes geschehen.
Hasi hatte mit seinen langen Armen da natürlich ein Heimspiel, faltete einen Geldschein, zielte und „hob“ ihn in die Schale. Bingo! Der Urlaub war gerettet.
Auch E. und O. klatschen begeistert in die Hände, vorher wurde E. aber noch den Satz: „O., mach mal ein Foto“ los.

Eingerüstete Botataung Pagode

In der Chauk Htat Gyi-Pagode sahen wir mit 72 Metern Gesamtlänge einen der größten liegenden Buddhas von Myanmar.
Jetzt stand ich vor dieser doch schon beeindrucken Figur und versuchte mit allerlei Verrenkungen, ein Bild zu Stande zu bringen, wo nicht Teile der Zehen, der Ohren oder die Spitze des Kopfes abgeschnitten waren. Da es sich bei der Pagode um ein Gotteshaus des buddhistischen Glaubens handelt, legte ich mich natürlich nicht auf den Boden oder habe Ähnliches veranstaltet. Klar, hatte ich diese Gedanken, dachte aber direkt daran was wäre, wenn ein japanischer Tourist in einer bayerischen Kirche so agieren würde. Er wäre dem Tod durch lynchen näher, als er denkt.
Den anderen aus der Gruppe ging es nicht anders. Da haben auch die Kommandos von E. “ O., mach mal ein Foto von hier“ nichts geholfen.

Erst, als wir den Koloss ganz umrundet hatten (im Uhrzeigersinn versteht sich), sah ich Angelika auf einem Podest herumturnen.
Das wird doch wohl nicht ?…….. War es aber. Anscheinend haben sich zu viele Leute für ein gutes Foto so dermaßen daneben benommen und damit wohl auch die Andachtsruhe gestört, dass ein Holzpodest mit kleiner Leiter aus Holz errichtet wurde. Das Ganze war zwar schrecklich wackelig, aber das Foto ist gelungen und es ist auch alles drauf.

Der größte liegende Buddha Myanmars in der Chauk Gyi Pagode

Zum Schluss wurden wir zur Shwedagon Pagode gefahren, um dort die Abendstimmung zu erleben. Da wir das riesige Areal heute morgen schon kennen gelernt hatten, beschränkten wir uns nun darauf, die Gläubigen zu beobachten.
Überall waren Möglichkeiten, wo wir ungestört sitzen konnten und ließen die friedliche Stimmung auf uns wirken.

Recht frühzeitig gingen wir die Treppen hinunter zu unserem Bus. Da unser Gefährt jedoch noch nicht da war, hockten wir uns auf den Rand eines Brunnens und kamen so mit einem alten Mönch ins Gespräch. Wir redeten lange mit ihm über Gott und die Welt, über Deutschland und Myanmar, über Europa und Asien und über Sinn und Unsinn von Kriegen.
Zum Schluss sagte er etwas, was mich noch eine ganze Weile beschäftigt hat: „Wenn ich nicht schlafen kann, stehe ich auf und sehe aus dem Fenster. Am Himmel sehe ich dann den Mond. Wenn Du nachts nicht schlafen kannst, stehst Du auf und siehst aus dem Fenster. Den Mond, den Du dann siehst, ist der gleiche Mond, den ich auch sehen kann. Wir Menschen haben so viele Gemeinsamkeiten und doch bringen wir uns um……………. .

Das Abendessen nach diesem erlebnisreichen Tag nahmen wir beim Inder in unserm Hotel zu uns. An unseren Tisch gesellten sich noch Ronald, Conny, Dirch, TA und die Tibeterin. Es wurde dank der Berliner Truppe ein lustiger Abend.
Den Absacker nahmen wir dann noch – da der Inder kein Alkohol ausschenken durfte – beim Chinamann eine Etage tiefer zu uns.

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