Ankunft

Früh war die Nacht vorbei.
Um 5.30 Uhr haben wir lecker gefrühstückt und um 6.00 Uhr fuhr uns der hoteleigene Bus zum Flughafen. Dort angekommen, gab es für das letzte thailändische Geld noch Pins und Postkarten.

Zugegebener Maßen haben wir von Bangkok nicht viel gesehen. Eigentlich auch nur den Flughafen, ist schon schade, aber dafür haben wir eine grandiose Zwischenüberübernachtung hinter uns und ein bisschen den Jet lag verdaut.

In 15 Minuten beginnt das Boarding für den Flug nach Yangon, ich werde jetzt meine Schreibutensilien wegpacken und mich auf den kurzen Flug freuen.

Als Abschied von Thailand bekam kurz vor der Landung jede Frau drei lila Orchideenblüten, die zu einem kleinen Sträußchen gebunden und mit einer Sicherheitsnadel zum Anstecken versehen waren. Eine nette Geste!!

Der Internationale Airport Myanmars war ungefähr 1/2 so groß wie der in Essen/Mülheim.
Fix waren wir durch alle Schalter, hatten unser Gepäck, jetzt stürzten sich erst einmal 8 Taxifahrer auf uns, die ihre Dienste anboten.

Was sollte lt. Reiseführer eine Fahrt in die Stadt kosten?? Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Also wurde heftigst gefeilscht und für 2 $ kamen wir bis zum Hotel, dem Asia Plaza. (Ein späterer Blick ins Buch zeigte, dass dies der korrekte Preis für 1/2 Stunde Fahrt war.)

Das Hotel machte einen ordentliche Eindruck, problemlos checkten wir ein. Wir brauchten nur das Wort „Djoser“ sagen, schon zückte das Mädel an der Rezeption ein Blatt Papier mit Namen. Wir konnten zwar den unsrigen nicht darauf finden, nickten aber, sie nickte auch und gab uns den Zimmerschlüssel.
Unser Zimmer im 9. Stock gab den Blick auf die Shwedagon-Pagode frei – Was wollte ich mehr??

Blick aus dem Hotelzimmer

Gegen 13.00 Uhr kamen auch die anderen aus unserer Gruppe an.
Gestresst, übermüdet und verschwitzt, waren sie doch 16 Stunden nonstop unterwegs und hatten keine Zwischenübernachtung gemacht.
„Au weia, die sind aber teilweise alt“ war meine erste (gedachte) Reaktion.

Hier die Vorstellung, das jeweilige Alter ist geschätzt (manches hat sich erst später ergeben, daher ist die Auflistung die Ausnahme in der Chronologie des Reiseberichtes):
A. (25 Jahre aus Frankfurt) = die Tibeterin. Sie lief mit einem derart verklärten Blick durch die Gegend, als würde sie in ständiger Zwiesprache mit Buddha leben, dabei hatte sie immer ein Grinsen im Gesicht und jeder, der sie von der Seite sah, konnte deutlich ihre Zahnlücken erkennen. Ansonsten war sie eine wehleidige und egoistische Kuh.

E. (55 Jahre aus dem tiefsten Sachsen)= Krätze.
Für seinen Hautausschlag kann er vermutlich nichts, er kratzte sich aber immer und überall und permanent und pulte sich die losgekratzten Fetzen von der Haut. Wir achteten darauf, während des Essens nicht in seiner Nähe zu sitzen, denn wie gesagt, er kratzte und pulte permanent. Er kam aus Sachsen und hatte einen Ton am Leib, dass es mich wundert, warum ihn noch niemand erschossen hat. Ein unsympathischer Kerl, der zudem noch ca. 150 Kilo (Lebendgewicht) auf etwa 173 cm (Körpergröße) verteilte.

Al. (50 Jahre auch aus dem tiefsten Sachsen) = Hasenzahn.
Sie war die Frau von E. Hatte – daher auch der Name – scheußlich abstehende Schneidezähne und ließ sich von ihrem Mann tyrannisieren. Ich bekam einmal mit, wie sie Anderen aus der Gruppe erzählte „mein Mann liebt mich, er kauft mir immer, was ich möchte“. Wenn so Liebe aussieht, dann verzichte ich darauf und lebe mit meinem Mann eben ohne Liebe weiter zusammen.

T. (43 Jahre aus Hamburg) = Tortenarsch (TA)
TA sagt eigentlich alles. Er saß nicht im hinteren Bereich des Busses, weil es ihm dort zu warm war und schwätzte ansonsten nur Schwachsinn. Wenn ich es mir recht überlege, war TA eigentlich noch zu nett für ihn.

Ronald (45 Jahre aus Berlin) = der Berliner
Ein lustiges Menschenkind. Ständig erzählte er Witze, konnte das aber auch so super gut, dass ich selbst über olle Kamellen noch lachte. Außerdem nahm er mir nicht übel, dass ich ihn immer Roland nannte.

Cornelia (42 Jahre aus Berlin) = die Berlinerin oder Conni
Die beiden passten gut zusammen. Sie hat das Talent, von ihren anderen 17 Djoserreisen so spannend zu erzählen, dass die Busfahrten gar nicht mehr so ätzend waren.

Dirk (35 Jahre aus Berlin) = Dirch oder auch Diplom Päderast
Dirk ist der Arbeitskollege von Ronald und war schon des öfteren mit den beiden auf Tour. Auch ein netter und lustiger Mensch, dessen Hilfsbereitschaft zu dem zweiten Namen führte …. die Story kommt aber wg. der Chronologie nun doch später.

Susan (23 Jahre aus Dresden) =Huschhase
Wie eine erwachsene Frau, die derart schüchtern, leise und zurückhaltend ist, weiterhin durchs Leben kommen will, ist mir ein absolutes Rätsel.

Erich (25 Jahre und keine Ahnung, wo er herkommt) = Erwin
Es kann aber auch durchaus sein, dass er Erwin heißt und ich ihn immer Erich genannt habe. Von der Zurückhaltung hätte er der Bruder von Huschhase sein können. Viel geredet habe ich mit ihm auch nicht, ich konnte mir ja noch nicht einmal seinen Namen merken.

Christa (59 Jahre aus Hessen) = Camilla Parker Bowls
Diese Frau hatte nicht nur eine arrogante aristrokatische Ausstrahlung, sie sah mit Baseballkappe (ach Gott, meine Frisur) auch genau wie die Beischläferin von Prinz Charles aus. Camilla schloss bereits ab den ersten Minuten eine Blutsbrüderschaft mit dem Habicht, die beiden saßen neben einander im Bus und schafften es tatsächlich, sich während einer 13stündigen Busfahrt ununterbrochen und permanent zu unterhalten.

Johanna (64 Jahre aus Berlin) = der Habicht
Johanna hatte bereits in frühester Jugend mit einem Habicht gewettet und die Nase gewonnen. So sah die ihre jedenfalls aus. Habicht hatte, wie auch Camilla, ein Einzelzimmer gebucht, beschwerte sich daher jeden Tag, warum sie genau so eins bekäme, wie wir auch, sie hätte schließlich viel mehr gezahlt. Dass der Mehrpreis für ein Einzelzimmer normal ist, hat ihr bis zum Schluss keiner gesagt, wir hätten uns sonst um unseren täglichen Zimmer-Spaß betrogen.

Josef (69 Jahre aus Höxter) = Jupp
Rüstig war er, der Älteste aus unserer Gruppe. Egal, ob es ums frühe Aufstehen oder um das Laufen über heiße Pagodenflächen ging – Jupp hat nie gemeckert oder gemosert und war immer mit guter Laune dabei.

Daniela (43 Jahre aus Frankfurt)
Mit Daniela bin ich erst auf unserer ersten Wanderung richtig ins Gespräch gekommen. Eine nette Frau, die auch ein Faible für Kinderfotos hat.

Angelika (53 Jahre aus Essen) = der Tollpatsch
Auch eine super nette Frau, die sich mit allem, was es gab, bekleckerte, in jede Matsche trat und herrlich über sich selbst lachen konnte.

E. (62 Jahre aus Köln) = die Irre
Zuerst hat es keiner gemerkt, aber E. hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. So wetterte sie an einem Abend gegen diejenigen, die sich Krabben zum Essen bestellten, wegen den unglaublichen Mengen an Antibiotika, die in den asiatischen Schalentieren vorhanden sei und am nächsten Abend …….. aß sie mit Genuss selber eine große Portion und verneinte die Existenz von jeglichen Mittel rigoros.

O. (64 Jahre auch aus Köln) = das arme Schwein
O. ist mit E. seit über 30 Jahren verheiratet und lässt sich von ihr derart über den Mund fahren, dass wir uns am Anfang immer nur erstaunt ansahen – bis wir uns an ihren Ton ihrem Mann gegenüber gewöhnt hatten.
O. hat sich einen Herzenswunsch erfüllen dürfen und eine Digitalkamera gekauft. E. gab aber die Anweisungen, was fotografiert werden sollte: „Oooo, mach` mal ein Fotooo“.
Ist doch klar, was zum running gag des Urlaubs wurde, oder?

Andreas (28 Jahre aus Dresden)
Am Anfang war er auch sehr sehr zurückhaltend, taute dann aber auf und wir hatten viel Spaß miteinander.

Catrin (27 Jahre aus Dresden)
Sie war die Freundin von Andreas und passte zum dem Trupp um Roland und Co.

Zu guter Letzt war da noch Heiko, unser Reisebegleiter. Um etwaigen Verwechslungen entgegen zu wirken wird, solange wir in Myanmar sind, mein Heiko ab sofort nur noch Hasi genannt.
Wie soll ich Heiko beschreiben? Etwa 30 Jahre alt und unnahbar, aber auch nicht unnett. Ein bisschen eingebildet bis eitel, kann aber auch Verlegenheit gewesen sein. Richtig warm sind wir mit ihm nicht geworden, er hat sich aber die größte Mühe gegeben, uns das Land zu zeigen und geizte auch nicht mit Tipps über gute Restaurants der einzelnen Städte.

Für 15.00 Uhr wurde das erste allgemeine Treffen angesetzt. Da es in Myanmar keine Geldautomaten gibt, Travel-Schecks nicht akzeptiert werden und mit Dollar nicht überall bezahlt werden kann, wird auch ein Geldwechsler anwesend sein. Dollars können nur in der Hauptstadt, wo wir gerade sind, getauscht werden. Das bedeutet, dass wir uns entscheiden müssen, wie viel Geld wir für 3,5 Wochen verbrauchen und das Geld dann von Anfang an mit uns herumschleppen.
Heiko gab an, dass wir pro Person ca. 150 $ für diesen Zeitraum brauchen. Damit wir genügend zur Verfügung hatten, tauschten wir insgesamt 320 $.
Ein Dollar hat z.Zt. einen Wert von 1.000 Kyat, die größte Banknote ist auch der 1.000 Kyat-Schein, somit hatten 320 Geldscheine, die geschickt in den Rucksäcken, Bauchgürtel etc. „versteckt“ wurden.
Das Geld sollte ausreichen für Essen und Trinken (+ Bierchen +Co) und natürlich Künkel für 3,5 Wochen bei 2 Personen. Dann kann hier alles nicht viel kosten.

Um einen ersten Einblick von dem Land zu bekommen, machten wir uns dann auf und gingen zum Bogyoke Aung San Market.
Unser Hotel war super zentral gelegen, daher waren wir sobald wir die gekühlte Halle verließen, mitten im Getümmel. Wir liefen die Straße entlang und wurden – teilweise mit offenem Mund – von den Einheimischen bestaunt: So groß, so grau und so dick.

In den kleinen Gassen wuselten die kleinen Menschen von ca. 1,60 Meter durch die Gegend. Es gab Kleidung, Medikamente, Kassetten, Schmuck, Holzschnitzereien und gemalte Bilder zu kaufen. Eins von den Bildern mit 3 Mönchen in orangen Kutten hat es mir besonders angetan. Ich wüsste zu Hause auch schon einen Platz dafür.
Heiko erklärte, dass man Souvenirs, die man in Myanmar sieht und die gefallen, sofort kaufen soll. Man sollte sich nicht darauf verlassen, eben dieses Teil in einer anderen Stadt auch zu sehen. Ob ich wohl morgen oder übermorgen zuschlagen werde?

Zum Abendessen gab es Büffet Essen nach burmesischer Art im Ashoka Restaurant. Ein Restaurant in der Form einer Mandarin-Ente gebaut und mitten im Kandawgyi-See liegt. Nach dem Essen, das bis auf den Teeblattsalat (brrrr, nie wieder) klasse war, begann die Vorführung einer burmesischen Volkstanzgruppe. Nett waren die jungen Tänzer und Tänzerinnen anzusehen, wenn auch die Musik (Gejaule) für westliche Ohren arg gewöhnungsbedürftig war.

Tänzerinnen bei dem Abendbüffet

Dann fuhren wir zurück zum Hotel, die restlichen Schnarchnasen der Gruppe gingen ins Bett, für Hasi und mich gab es noch ein Bierchen im Restaurant und den Schluck Whiskey Medizin vorm Einschlafen, als Prophylaxe für evtl. im Laufe des Tages aufgenommener Bakterien und Keime.

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