Die Idee: Vietnam

Nachdem wir 2008 Neuseeland und 2009 Namibia und Südafrika unsicher gemacht haben, wollen wir 2010 mal wieder in Asien unterwegs sein. Da wir ganz gerne Neuland betreten möchten, fassen wir Vietnam ins Auge.

Wir setzen uns frühzeitig (Juli 2009) mit einer Agentur in Hanoi in Verbindung, die uns eine interessante, 28-tägige Privattour mit englisch sprachigen Guide anbietet. Da das ziemlich unseren Geschmack trifft, buchen wir dort schon einmal das Programm.

Die Flüge buchen wir zeitgleich über Miles&More, und zwar:

04.02.10 Düsseldorf – Zürich (Swiss)

04.02.10 Zürich – Bangkok (Thai)

05.02.10 Bangkok – Hanoi (Thai)

28.02.10 Ho Chi Minh – Bangkok (Thai)

08.03.10 Bangkok – Wien (Austrian)

09.03.10 Wien – Düsseldorf (Tyrolean)

Unsere Reiseroute nach Vietnam

Die Lücke zwischen der Rückkehr nach Bangkok und dem Abflug nach Wien wollen wir mit einer Badewoche in Khao Lak schließen; die Flüge nach und von Phuket buchen wir günstige bei Air Asia. In Khao Lak werden wir im Khaolak Orchid Beach Hotel wohnen.

Kurz vor Abflug

Abgesehen von mehreren Flugzeiten-Änderungen verlief die Zeit bis zum Abflug recht unspektakulär. Das Visum war schnell beantragt, der Kontakt zur örtlichen Agentur war stabil. Man teilte uns allerdings zwischenzeitlich mit, dass wir nicht die gesamte Reise von einem Guide, sondern von mehreren (3-4) betreut werden. Das kann ja auch Vorteile haben, wenn diese sich dann in ihrer Region gut auskennen.

Angekommen – Hanoi

Nachdem uns der Streik in Düsseldorf nicht aus der Bahn werfen konnte, hat es Nebel in Zürich fast geschafft: 30 Minuten Verspätung beimAbflug, dann noch 35 Minuten kreisen vor der Landung. Schon warenkomfortable 100 Minuten Umstiegszeit auf 35 geschrumpft. Trost derCrew: Fast alle Maschinen haben Verspätung. Toll, unsere nicht.

Also durch den Flughafen gejoggt, Terminal gewechselt und eingecheckt. 10 Minuten vor Abflug saßen wir im Flieger. Der Flug (10,5 Stunden) war gut, wir hatten gute Plätze, auch wenn die Schlafsessel eher für Zwerge bis 1,85 m gemacht waren 🙂

Ein Häppchen während des Fluges

Ankunft in Bangkok morgens um 6:00 Uhr, 28 Grad. Weitertransport desGepäcks organisiert, Abflug nach Hanoi um 7:50 Uhr.

Ankunft Hanoi um 9:45 Uhr, Visum abgeholt und um 10:15 Uhr saßen wir im Wagen von Mr. Lee und Hien. Die beiden werden uns die nächsten 10 Tage begleiten. Ab ins Hotel, 3 Stunden Siesta und dann erste Erkundung von Hanoi. Unmengen Moppeds, Überlebensregel Nummer eins:
Beim Überqueren der Strasse nicht stehen bleiben!

Keine Angst vor großen Bäumen

Samstag war ein sparsamer Tag: wir sind mit 1,5 Millionen losgezogen  und hatten am Abend noch 1,35 Mio. in der Tasche. Die Währung ist  gewöhnungsbedürftig, 25.000 Dong sind ca. 1 Euro.

Es stand die große Stadtrundfahrt auf dem Programm.

Opferschale im Tempel

Gefühlte 500  Tempel, das Mausoleum von Ho Chi Minh sowie – das Highlight – 1,5  Stunden mit der Fahrradrikscha durch Hanois Innenstadt. Unser Guide  Hien versuchte die ganze Zeit, uns die verschiedenen Dynastien der  letzten 3.000 Jahre zu erklären, aber irgendwann kamen wir mit den Namen durcheinander.

Das Mausoleum vom großen Führer Ho Chi Minh

Sonntag geht es dann weiter zur Halong Bucht.

Halong Bucht

Die knapp 150 Kilometer von Hanoi bis zur Halong Bucht sind relativ schnell zurück gelegt, wenn auch der Verkehr innerhalb der Stadt höllisch war. Gegen Mittag checken wir auf der Dschunke ein, die insgesamt 8 Passagieren Platz bietet.

Ein Schiffchen, baugleich zu unserem

Das Schiff soll nun für die nächsten 30 Stunden unser „Zuhause“ sein. Wir beziehen mit schlanken Gepäck – den Hauptteil haben wir in Hanoi zurück gelassen – unsere Kabine und sind recht zufrieden. Kaum geschehen, werden wir schon zum Lunch gebeten.

Während dessen nimmt das Schiff Fahrt auf und durchfährt die aus verkarsteten Felsnadeln und Bergkegeln bestehende Landschaft von Ha Long, die seit 1994 zum Weltkulturerbe gehört. Ab und an bieten Fischer die geangelten Spezialitäten zum Kauf an, aber die Verpflegung an Bord ist so gut, dass sie bei den Gästen nichts los werden.

Fischer bieten ihre Waren an
Bei der Menüfolge hat aber niemand Interesse

Mit einem gemischt holländisch/englischen Paar kommen wir nett ins Gespräch, leider verlassen sie das Schiff schon am nächsten Morgen. Wir hingegen schauen uns noch an wie die Menschen hier auf dem Wasser leben.

Wohngemeinschaft auf dem Wasser

Außerdem besuchen noch die Sung Sot Höhle, vor der etwas mehr Betrieb ist.

Vor der Höhle versammeln sich die Ausflugsschiffe

Am frühen Nachmittag des 08.02. verlassen wir das Schiff und fahren zurück in unser Hotel in Hanoi. Dort streifen wir Abends auf eigene Faust durch die beleuchtete Stadt und kehren letztendlich in einem Brauhaus ein, in dem wir – wenigstens an dem Abend – die einzigen Langnasen sind.

Beleuchtete Brücke in Hanoi
Der freundliche Zapfer im Brauhaus

Kleine Sprachkunde: Fik und fertig Oder: Wie aus 6 Teilen kranke Schweine werden!

Ich glaube, es wird Zeit, über unseren Führer zu berichten. Na,  vielleicht sage ich besser Guide.

Blick in die Halong Bucht

Vorab: Wir haben uns auf der Dschunke fließend mit einem englischen Ehepaar unterhalten. Aber unser Guide – Mr. Hien –  toppt alles: Er sieht aus wie ein Monchichi und spricht sein eigenes Englisch. Aus ‚p‘ wird ‚b‘, aus ‚r‘ wird ‚l‘, ein ‚t‘ wird nicht gesprochen, außer am Anfang des Wortes. Andere Buchstaben werden nach Belieben ausgelassen. Das birgt einige Schwierigkeiten: Aus der Zahl sechs (Six) wird schnell eine Krankheit (sick), aus Stücken werden Schweine (piece ==>  pig).

Am schlimmsten war die Verwirrung, als er uns von einer  Butterzeremonie erzählte und wir erst nach 5 Minuten merkten, dass er von traditioneller Töpferei sprach. Leider hat Mr. Hien auch die Angewohnheit, ständig zu reden. Hauptsächlich über die Perfektion Vietnams und seiner Geschichte. Gegenrede, dass man in Deutschland ebenfalls Bauern hat, ignoriert er. Diskussionen über das zu zahlende Schulgeld hier im Land weicht er per Exkurs in die Geschichte aus. Das – zusammen mit den genannten Sprachproblemen – macht das Gespräch nicht einfacher.

Er ist inzwischen überzeugt, dass Bianka geisteskrank ist, da sie an – seiner Meinung nach – unmöglichen Stellen lacht. Aber insgesamt hat er in den letzten Tagen vielleicht 10 Minuten die Klappe gehalten. Es gilt nun also, Gegenmaßnahmen zu ergreifen: Bewährt hat sich Klimpern auf dem Handy, das gilt international als beschäftigt. Problem: Akkulaufzeit. Alternativ können wir singen, für bekloppt hält er uns eh. Morgen versuchen wir es mit Kopfhörern auf den Ohren, vielleicht lässt er sich davon beeindrucken.
Wenn alle Stricke reißen, muss eben ein freundliches ‚Halt’s Maul‘ her, aber das entspricht nicht der asiatischen Höflichkeit. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten, wir haben ihn ja nur noch 2 Tage.

Hien (links), Mr. Lee (Mitte), daneben Heiko. Wir wünschen Hien, dass sich sein Wunsch – ein Leben als Fischer in der Halong Bucht – erfüllt hat

In diesem Sinne: Bis die Tage

Ninh Binh

Von Hanoi geht es weiter nach Hoa Lu, ca. 100 km entfernt. Hoa Lu war früher (um 1020) Hauptstadt von Vietnam und hat daher noch sehr schöne alte Bauwerke.

Teil der alten Zitadelle
Turm der Pagode
Drachenkopf als Verzierung

In der „trockenen Halong Bucht“, wie die Umgebung von Ninh Binh auch genannt wird, türmen sich Felskegel und Berge, die aus den weitläufigen Reisfeldern herausragen. Mit einem Ruderboot fahren wir entlang der grünen Wasserwege und durchqueren die drei Grotten von Tam Coc.

Am Flussufer wird noch die Wäsche gemacht
Eine der Grotten von Tam Coc
Ein Eisvogel während der Bootsfahrt

Ninh Binh selber gefällt uns nicht wirklich, da die Stadt extrem voll und laut ist. Wir sind ganz froh, als wir nach dem Abendessen wieder im Hotel sind, da unser Zimmer nach hinten raus geht. Außerdem gibt es eine Dachterrasse, von der aus wir uns das bunte Treiben recht unbeteiligt ansehen können.

Auf den Straßen von Ninh Binh

Hue

In Dong Hoi haben wir uns von Mr. Hien und Mr. Lee getrennt, für die nächsten Tage übernehmen Mr. Vingh und Fahrer Mongh. Die beiden sprechen besseres Englisch als ihre Vorgänger und preisen auch nicht andauernd die Vorteile ihres Systems.

Wir fahren weiter nach Hue (160 km), wo wir uns 2 Tage aufhalten. Auf dem Weg dorthin haben wir uns noch die wunderbare Höhle von Phong Nha per Boot angesehen.

Gegenverkehr auf dem Son Fluss

Außerdem kommen wir am der ehemaligen Grenze zwischen Nord- und Südvietnam am 17. Breitengrad vorbei.

Wiedervereinigungsdenkmal am Ben-Hai Fluss

In Hue beginnen wir die Stadterkundung mit einer Bootsfahrt auf dem Huong Fluss, die uns zuerst zur Thien Mu Pagode führt. der 21 Meter hohe Turm gilt seit dem Bau 1844 als Wahrzeichen von Hue.

Thien Mu Pagode

Dann ging es weiter zur Grabanlage von Minh Mang

Tempel in der symmetrisch angelegten Grabanlage

Wir haben dann noch das Kaisergrab Khai Dinh besucht, bevor es eine Mittagsrast gab. Danach stand als letzter Punkt die Zitadelle Kinh Thanh sowie die Kasierstadt Hoang Thanh, inclusive der verbotenen purpurnen Stadt Tu Cam Thanh auf dem Plan.

In der verbotenen Stadt

Leider müssen wir uns schon nach dieser kurzen Zeit von unserem sehr guten Führer-/Fahrer-Team trennen.

Abschied von Mr. Vingh

Zum Tet-Fest, dem Neujahrsfest, gedenken die Vietnamesen den Verstorbenen und überall an den Straßen sind Tische mit Speisen für die Toten aufgebaut. Hier gedenken die Menschen ihrer Ahnen.

Gedenken mit Räucherstäbchen

Um Mitternacht gab es dann noch ein großes Feuerwerk, wir haben es aber kurz vom Balkon betrachtet, da wir von den Besichtigungen (und evtl. ein bißchen vom Biergartenbesuch mit Mr. Vingh) erschöpft waren.

Kleine Verkehrskunde. Oder: Fahr doch, wo Du willst!

So, wie bei skandinavischen Fahrzeugen das Abblendlicht eingeschaltet ist, sobald man startet, so fängt es bei vietnamesischen an zu hupen, sobald die  Zündung eingeschaltet wird. Ein Auto ohne Hupe ist Totalschaden!

Eigentlich fährt man rechts, aber nicht immer und Moppeds noch seltener. Dafür ordnet man sich Links ein, um dann nach rechts  abzubiegen. Überholt wird beidseitig, wo es gerade passt. Generell gilt das Recht des Stärkeren bzw. der teureren Marke. Lexus schlägt Mercedes, Mercedes Audi usw. Insofern sind wir im Toyota eigentlich ganz gut unterwegs.
Trumpf sind allerdings Busse, die toppen alles, wenn sie mit ihren 3-Klang-Fanfaren den Weg frei blasen. Ampeln – sofern vorhanden – gelten als Vorschlag, nicht als Pflicht. Alles mit Rädern hat immer Vorfahrt. Das ist im Auto als Mitfahrer interessant, aber als Fußgänger wird es lebensgefährlich: Man ist das schwächste Glied in der Futterkette und wird sogar von Fahrrädern ‚gefressen‘.

Daher gilt beim Strasse queren die eiserne Regel: Nicht stehen bleiben! Man wird als bewegliches Ziel nicht so schnell getroffen, die  Fahrer versuchen einen zu umfahren. Wenn man dann plötzlich nicht dahin geht, wie vom Fahrer erwartet, dann knallt’s.

Inzwischen haben wir uns ganz gut an diese Vorgehensweise gewöhnt, machen uns aber Sorgen, wie das nach unserer Rückkehr zu Hause klappen soll. Wenn Ihr also im März einen roten Mazda laut hupend auf der falschen Straßenseite bei rot über Ampeln rasen seht, dann macht Euch keine Gedanken, wir leben uns schon wieder ein.