Wie alles begann

Und plötzlich wurde ich nachts wach und stellte zu meinem Entsetzen fest: Ich habe kein Bild vom Taj Mahal und mir. Der Blick auf den Wecker sagte mir: Wenn du jetzt Heiko weckst, könnte es zu ernsthaften Komplikationen in der Beziehung führen.

Also wartete ich das Morgengrauen ab, machte Frühstück und in dem Moment, wo Heiko wehrlos war, da er gerade von seinem Brötchen abbiss, platzte ich mit meiner nächtlichen Erkenntnis heraus: „Ich habe kein Bild vom Taj Mahal und mir! Ich muss unbedingt nach Indien!“ mit geradezu dramatischer Gestik und Mimik unterstrich ich meine Aussage.
Der geduldigste Mann der Welt kaute entspannt weiter, trank ein Schlückchen Kaffee und erwiderte: „Hatte ich Dich nicht in Legoland vor allen Gebäuden der Welt knipsen müssen? Das reicht doch wohl.“

Nach heftigen Diskussionen, deren Wiedergabe hier den Rahmen sprengen würde, stand für mich fest: Ich fahre nach Indien, ich fahre auf eigene Faust und ich fahre notfalls auch allein.Doch da setzte wohl endlich das schlechte Gewissen bei meinem Mann ein und die Frage, ob er es verantworten kann, mich mutterseelenallein auf Millionen von Inder loszulassen, brachte folgenden Kompromiss:

  • Wir fahren gemeinsam nach Indien.
  • Wir fahren „organisiert“.
  • Wo wir schon mal da sind, sehen wir uns auch ein Stückchen von Nepal an.

Nun konnte ich endlich wieder einer meiner Lieblingsbeschäftigungen frönen, da ich einen Urlaub vorzubereiten hatte.Also wurde von stund an der Computer von mir in Beschlag genommen, per Internet alle möglichen und unmöglichen Reiseveranstalter mit der Bitte um Zusendung von Informationsmaterial angeschrieben und dadurch natürlich die Telefonrechnung in Höhe getrieben.

Nach ca. 3 Tagen trudelten dann auch die ersten Prospekte ein und nach 4 Wochen war mir klar, dass unser Postbote mich abgrundtief hassen musste.

Wir haben gebucht

Da die Reise bezahlbar sein sollte, stand im Frühjahr 2001 fest, dass wir am 17. März 2002 nach Nordindien fliegen würden, eine Rundreise durch Rajasthan und anschließend noch wandern – um das Wort Trekking nicht zu missbrauchen – in Nepal. Als Transportmittel stehen uns zur Verfügung: Flugzeug, Bus, Jeep, Boot, Elefant, Kamel, Fahrrad und natürlich die eigenen Füße. Reiseveranstalter ist Djoser.

Die Hürde, die jetzt noch zu nehmen war, wie bringe ich meinem Chef bei, Anfang 2002 für mind. 5 Wochen auf mich zu verzichten??
Als ich ihn dann fragte, sagte er – ohne Gegenwehr und ohne Schmuserei meinerseits – „von mir aus, viel Vergnügen.“ Sogar schriftlich hielt ich es in Händen!

Sollte er froh sein, mich endlich, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, loszuwerden?
Versinkt nicht alles im Chaos, wenn ich nicht über alles Bescheid weiß, alles regele und mich in alles einmische?
Wo bleibt meine Existenzberechtigung?
Gut, darüber kann ich mir immer noch Gedanken machen.

Vorbereitung

Da ich mich im Allgemeinen grundsätzlich nicht auf andere Leute, hier: einen Reiseleiter, verlasse, fing die Organisation erst richtig an.

Es wurden also Reiseführer gekauft, Büchereien geplündert, Rucksäcke, Wanderschuhe und weiteres Zubehör gekauft. Für Stunden ward ich wieder einmal verschwunden, um dann meinen Mann mit – für mich – tollen und interessanten Neuigkeiten zu überraschen. Oder ist bekannt, dass man für die Besteigung des Mt. Everest pro Person schlappe 5.000,– $ auf den Tisch des Hauses legen muss (pro Person) um ihn besteigen zu dürfen? Ist ja gut, wir wollen nicht mit Herrn Messner wetteifern, aber jetzt wissen wir es.

Vorbereitung 2

Dann war der Praktiker Heiko am Zug: Brauchen wir bestimmte Impfungen? Wo sind sie am preiswertesten und können wir wieder in der Apotheke feilschen?
Antworten: alle möglichen Impfungen, außer Gelbfieber und Tollwut nur, wenn wir indische Hunde streicheln wollen. (Da wir Hunde generell nicht anfassen …….)
Gesundheitsämter sind Preisbrecher für die Verschreibung und Impfung von Medikamenten, die von Krankenkasse im Rahmen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes nicht bezahlt werden und zum guten Schluss haben wir bei unserem Lieblingsapotheker Theobärchen nicht nur kräftig Rabatt bekommen, sondern auch sterile Einwegspritzen für den Fall der Fälle.

Am 15.01.2002 kam ein Brief von Djoser:
„Die Fluggesellschaft hat ihren Flugplan geändert. Der neue Reisetermin ist vom 13.03. – 12.04.2002. Dadurch fällt ein Tag in Delhi weg. Falls Ihnen die Terminänderung nicht passen sollte, geben sie uns umgehend Bescheid“ (Wörtliche Wiedergabe)

Ja, wo bin ich denn? Wie wird denn hier mit mir geredet? Und was soll das heißen, ein Tag in Delhi fällt weg? Wir sind nach früherer Planung nur einen Tag in Delhi, also sind wir jetzt keinen Tag in Delhi?
Leider hatte das Büro an diesem Tag schon geschlossen, so mussten wir unsere Wut und unseren Frust noch einen Tag länger füttern und hatten auch Gelegenheit, uns von dem Wahrheitsgehalt des Schreibens per Internet zu informieren. Und siehe da, es gibt Abflüge am 17.03.2002!!! Lediglich der Rückflug kann nicht am 17.04., sondern am 18.04. (dafür aber um 1.15 Uhr) erfolgen.
Am nächsten Tag, zu Hause angekommen, suchten wir den telefonischen Kontakt mit Djoser. Nachdem wir zuerst einen analphabetischen Aushilfsstudenten an der Strippe hatten, erfuhren des Rätsels Lösung: Der letzte Tag (der eigentlich nur Zwischenstation war) in Delhi fällt weg und nicht der erste.
Lt. Ausschreibung sah die Planung so aus: vorletzter Tag = Flug Kathmandu – Delhi, letzter Tag = Flug Delhi – Frankfurt bzw. Düsseldorf über Wien. Wo hier ein Tag wegfallen kann, ist mir zwar nicht klar, aber ich bin ja auch blond.

Dafür wurde während des Gesprächs festgestellt, dass für uns noch keine Flüge Düsseldorf – Wien, bzw. Wien – Düsseldorf gebucht wurden. Aber warum auch? Wir haben schließlich auch erst vor einem Jahr gebucht. Ob das jetzt noch klappt? Wir werden es sehen.

Auf jeden Fall habe ich meinen Scheffe gefragt, ob er noch weitere 3 Tage auf mich verzichten kann, da durch die Verschiebung der Flug an einem Mittwoch, anstatt an einem Sonntag erfolgen soll. War da etwa ein Leuchten in seinen Augen? Jubelte er innerlich? „Von mir aus“ war jedenfalls wieder seine Antwort.

Am 17.01.2002 rafften wir uns dann endlich auf, ließen Passphotos für die Visaanträge machen und ab ging die Post. Zuerst nach Berlin fürs nepalesische Visum. Ein ungutes Gefühl bei der Übersendung von Reisepässen in einem Kuvert habe ich schon. Hoffentlich sehen wir die Dinger wieder. Lt. Reiseführer soll es ca. 10 Tage dauern. Also werde ich mir Gedanken machen, wenn ich nach 2 Wochen die Pässe noch nicht in den Händen halte.
Also ging die Post ab für 6,50 € (für beide Richtungen) und zwar als Einwurf-Einschreiben. D. h., der Briefträger unterschreibt, dass er das Kuvert richtig eingeworfen hat.

Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich am 30.01.2002 das Kuvert mit den beiden Reisepässen aus dem Briefkasten fischte und nahm sofort alle bösen Gedanken an die Post zurück. Was sich allerdings schlagartig änderte, als am 31.01.2002 – wir wollten auf gleiche Art und Weise die Pässe an die Indische Botschaft schicken – keine Einlieferungsscheine beim Postamt vorhanden waren. Lieferschwierigkeiten? Nachbestellung vergessen? Oder einfach keine Zeit, zum Nachfüllen der leeren Fächer?? Der Mitarbeiter, der Heiko anfangs ignorieren wollte, verwies ihn dann auf den leeren Formularständer. Auf seinen Hinweis: „Da sind keine mehr“ sagte er: „Die brauchen Sie auch nicht, das füllt der Kollege am Schalter für Sie aus“.
Nun freuen wir uns auf übermorgen, wenn wir die Sachen weg bringen.

Entwarnung?

Letzte Meldung: Der Bürgerkrieg zwischen den Glaubensgemeinschaften hat sich beruhigt. Es werden Verhandlungen geführt, die weitere Unruhen ausschließen sollen.
Aber was ist in den Abendnachrichten zu erfahren? Schweres Erdbeben auf dem subindischen Kontinent! Zentrum des Bebens ist Afghanistan, aber in Delhi waren die Erdstöße noch deutlich zu spüren.
Die Internetseite des Auswärtigen Amtes ist bei uns jetzt ständig online.
Bislang werden von dieser Seite noch keine Warnungen vor Reisen nach Indien und / oder Nepal ausgesprochen. Hoffentlich bleibt es dabei!!!!!!

Fachpersonal

Anruf von Djoser: Wir hätten das Formular noch nicht zurückgeschickt, in dem angegeben werden muss, welche Passnummer und welche Gültigkeit unsere Reisepässe haben. Die Angaben würden gebraucht, um die Flüge Kathmandu – Delhi zu buchen.
Da ich das Formular kurz nach Erhalt bereits ausgefüllt zurückgeschickt habe und dies vor ca. 3 (!) Monaten war, dachte ich wieder mal: Oh je.
Zufällig konnten wir uns auch nicht an das Ausstellungsdatum erinnern (wer kann das schon?) und „mal schnell nachsehen“ war auch nicht drin, denn die Pässe waren ja unterwegs zur Indischen Botschaft. Also wurde der gute Mann vertröstet.
Kurz nach Beendigung des Gespräches klingelte es erneut und lt. Display war’s wieder Djoser. Als der gute Mann in Köln dann den Namen ‚Vogt‘ wieder hörte, wurde kurzer Hand aufgelegt. Ja, ja, die Tücken der Technik ….

Der Euro

Heute haben wir die Reisemesse von Djoser in Köln besucht. Eine rundum als gelungen zu bezeichnende Sache. Der Dia-Vortag über unsere bevorstehende Reise hat uns jetzt so richtig zappelig gemacht. Beruhigend fand ich auch die Tatsache, dass wiederholt darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei den Djoser-Mitarbeitern, die die Reise mit machen, um Reisebegleiter und nicht um Reiseführer handelt. Puh, noch einmal Glück gehabt! Es gibt für mich nichts schlimmeres, als allein schon zu beobachten, wie sich Menschenmengen mit roten, blauen oder grünen Fähnchen durch Städte führen lassen.
Leider konnte uns keiner die Frage beantworten, ob in Indien bzw. in Nepal der Euro bekannt ist, oder ob man auf ihn verzichten sollte und nur Dollar mitnimmt.
Per E-Mail habe ich daher das Auswärtige Amt befragt, mal sehen wann, mit einer Antwort zu rechnen ist!

Noch 14 Tage

Die Spannung steigt und die Aufregung ist kaum noch auszuhalten. In genau 2 Wochen haben wir unseren letzten Arbeitstag.
Am Wochenende spielten wir das lustige „Was alles in einen Rucksack passt“ Spiel.
Heiko zog schon einen Flunsch, nachdem er feststellte, dass sein Rucksack schon fast voll ist, wenn seine Wanderschuhe (Größe 50) drin sind und meiner noch Platz für den halben Hausrat hat. Als wir die Dinger auf die Waage wuchteten, staunten wir nicht schlecht, als Heikos Rucksack 9 Kilo und meiner 6 Kilo wog.
Im Grunde genommen, haben wir bis auf 2 – 3 Bücher alles eingepackt, was wir meinen, für einen 5wöchigen Trip zu benötigen.
Warum in aller Welt, sind dann unsere Koffer für die üblichen 14 – 21tägigen Auslandsaufenthalte zum Bersten voll und wir müssen immer mit dem Bodenpersonal flirten, damit wir nicht für das Übergewicht der Koffer zahlen müssen??!!

Das auswärtige Amt hatte unsere Anfrage bzgl. Akzeptanz des Euros in Indien an die Botschaft weiter geleitet, die uns zügig und präzise geantwortet hat (in großen Städten kann man Euro tauschen). Hut ab, damit hätte ich nicht gerechnet, Lob von hier!